Geschrieben von
Maximilian Mende
Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
Über 700 Gins verkostet, einen eigenen gebrannt.·seit 2015·LinkedIn·Facebook·Tripadvisor·Google Maps·Homepage
Blau in der Flasche, lila oder pink im Glas: Farbwechsel-Gins gehören zu den auffälligsten Gins der letzten Jahre. Wer nach „blauer Gin“ sucht, meint aber nicht immer dasselbe. Manche suchen einen Gin, der wirklich blau ist, andere den bekannten Gin in der blauen Flasche. Hier gibt es beides im Überblick, dazu die Erklärung, warum sich die Farbe überhaupt ändert.
Gin in der blauen Flasche
Der bekannteste Gin in der blauen Flasche ist Bombay Sapphire. Die Flasche ist blau, der Gin darin ist aber ganz normal klar. Auch bei anderen Gins mit „Blue“ im Namen ist der Gin selbst oft klar, die Farbe steckt dann nur im Namen oder in der Ausstattung.
- Bombay Sapphire London Dry Gin: klarer London Dry Gin, blaue Flasche
- Mandaley Blue London Dry Gin: Eigenmarke bei Aldi, 40 % vol, rund 10 Euro für 0,7 Liter
- Reisetbauer Blue Gin: aus Oberösterreich, 43 % vol, der Name bezieht sich nicht auf die Farbe des Gins
Warum ist blauer Gin blau?
Echte blaue Gins verdanken ihre Farbe fast immer einer Pflanze: der Schmetterlingserbse (Clitoria ternatea), auch Blaue Klitorie genannt. Ihre Blüten enthalten Farbstoffe aus der Gruppe der Anthocyane. Die Blüten werden nach der Destillation in den Gin eingelegt und geben ihre Farbe ab. Am Geschmack ändern sie dabei kaum etwas.
In Südostasien wird die Blüte schon lange zum Färben von Reis, Tee und Süßspeisen verwendet. Mehr über die Pflanze steht im Beitrag Farbwechsel-Gin und Clitoria ternatea.
Warum wird blauer Gin mit Tonic lila?
Die Farbstoffe der Schmetterlingserbse reagieren auf den Säuregehalt der Flüssigkeit. Im neutralen Gin sind sie blau. Kommt etwas Saures dazu, verschiebt sich die Farbe:
- Tonic Water ist leicht sauer, weil es meist Zitronensäure enthält. Der Gin wird violett bis lila.
- Zitronen- oder Limettensaft ist deutlich saurer. Der Drink wird pink bis rosa.
Es ist also keine Magie, sondern dasselbe Prinzip wie beim Rotkohl, der mit Essig rot und mit Natron blau wird. Wer den Effekt zeigen will, gießt das Tonic erst am Tisch auf.
Farbwechsel-Gins im Überblick
Diese Farbwechsel-Gins wurden auf Ginnatic bereits getestet. Die Preise stammen aus dem Testzeitpunkt.
| Gin | Herkunft | Alkohol | Größe | Preis ca. |
|---|---|---|---|---|
| The Illusionist Dry Gin | Deutschland | 45 % | 0,5 l | 39,90 € |
| Chameleon Dry Gin | Deutschland | 43 % | 0,5 l | 36 € |
| Clitoria Dry Gin | Deutschland, Brennerei Stocker | 43 % | k. A. | 35 € |
| Penker Blue Chin Gin | Niederbayern, Obstbrennerei Penker | 42 % | 0,5 l | k. A. |
| Sharish Blue Magic Gin | Portugal | 40 % | 0,5 l | 35 € |
| Schwangau Royal Gin | Deutschland | 44 % | 0,5 l | 40 € |
Dazu kommen bekannte Farbwechsel-Gins, die bisher nur im Verzeichnis stehen:
- Empress 1908 Gin: von Victoria Distillers aus British Columbia in Kanada, 42,5 % vol. Benannt nach dem Hotel Fairmont Empress in Victoria, das 1908 eröffnet wurde. Mit Tonic oder Zitrus wechselt er von Indigo zu Rosa.
- Deep Purple Gin: aus Österreich, 40 % vol.
- Magic Gin: von Obsthof und Brennerei Thomas Gierer, 40 % vol.
Lila Gin
Ein lila Gin ist in den meisten Fällen ein blauer Farbwechsel-Gin, der schon mit etwas Säure in Kontakt gekommen ist, also im Gin Tonic. Einige Hersteller färben ihren Gin aber auch direkt violett, etwa mit Beeren oder einer Mischung aus Blüten. Wie bei Pink Gin gilt: Ein Blick auf das Etikett oder die Herstellerseite verrät, woher die Farbe kommt. Eine Zutatenliste ist bei Spirituosen in der EU allerdings nicht vorgeschrieben.
Farbwechsel-Gin mit Glitzer
Eine Sonderform sind Farbwechsel-Gins mit Schimmer, zum Beispiel der Simsala Gin mit 41 % vol. Der Glitzer-Effekt entsteht dort durch Eisenoxide (E172), die als Lebensmittelfarbstoff zugelassen sind. Mehr dazu im Ratgeber Gold Gin und Glitzer-Gin.
Farbwechsel-Gin richtig mixen
Zutaten:
- 50 ml blauer Farbwechsel-Gin
- 150 ml Tonic Water, möglichst klar und nicht gefärbt
- viel Eis
- eine Zitronen- oder Limettenscheibe
So geht’s:
- Ein großes, klares Glas mit Eis füllen (ein Copa-Glas zeigt den Effekt am besten).
- Den blauen Gin über das Eis gießen.
- Das Tonic langsam dazugeben und zusehen, wie die Farbe wechselt.
- Zum Schluss die Zitrusscheibe dazu, die Farbe wird dadurch noch etwas rosiger.
Ein gefärbtes Tonic, etwa ein rosa Tonic, verfälscht den Effekt. Welche Tonics sich eignen, steht in den Top 10 Tonic Water. Passende Cocktail-Ideen sind der Deep Blue Sea und der Blue St. Tropez.
Häufige Fragen zu blauem Gin
Welcher Gin ist in der blauen Flasche?
Meistens ist Bombay Sapphire gemeint. Die Flasche ist blau, der Gin selbst ist klar.
Warum wird blauer Gin mit Tonic lila?
Die Farbstoffe der Schmetterlingserbse reagieren auf Säure. Tonic Water enthält Zitronensäure, dadurch wechselt die Farbe von Blau zu Violett. Mit Zitronensaft wird der Drink pink.
Schmeckt Farbwechsel-Gin anders?
Die Schmetterlingserbse selbst bringt kaum eigenen Geschmack mit. Der Geschmack hängt von den übrigen Botanicals ab.
Verliert blauer Gin mit der Zeit seine Farbe?
Anthocyane sind lichtempfindlich. Eine geöffnete Flasche sollte deshalb dunkel und kühl stehen, dann bleibt die Farbe länger erhalten. Mehr zur Lagerung im Beitrag Kann Gin ablaufen oder schlecht werden?
Ist blauer Gin ein richtiger Gin?
Ja, solange er die Regeln für Gin erfüllt: mindestens 37,5 % vol und ein Geschmack, bei dem Wacholder vorherrscht. Die Farbe spielt dafür keine Rolle. Nur ein London Gin darf nach der Destillation nicht mehr gefärbt werden.
Weitere Gins mit Farbe gibt es im Ratgeber Pink Gin. Cheers!

