Negroni Rezept: Der perfekte bittersüße Aperitif mit Gin

Geschrieben von

Ginmaster

Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.

Über 700 Gins verkostet, einen eigenen gebrannt.·seit 2015·LinkedIn·Facebook·Tripadvisor·Google Maps·Homepage

Es gibt Drinks, die man lieben lernen muss, liebe Ginnatics. Der Negroni ist genau so einer. Beim ersten Schluck denken viele: bitter, sehr bitter. Beim dritten sieht die Sache oft schon ganz anders aus. Nicht ohne Grund ist er einer der bekanntesten Aperitifs der Welt.

Das Rezept ist denkbar einfach: Gin, Campari und roter Wermut zu gleichen Teilen. Trotzdem kann man eine Menge falsch machen. Lasst uns loslegen.

Woher kommt der Negroni?

Die bekannteste Geschichte führt nach Florenz, um das Jahr 1919. Graf Camillo Negroni soll im Caffè Casoni seinen Americano bestellt haben, aber bitte stärker. Der Barkeeper Fosco Scarselli ersetzte das Sodawasser durch Gin und garnierte mit Orange statt Zitrone, damit man die Drinks unterscheiden konnte. So zumindest die Überlieferung. Ob Camillo tatsächlich Graf war, ist unter Cocktailhistorikern übrigens umstritten.

Welcher Gin empfiehlt sich für den Negroni?

Ein klassischer London Dry Gin mit ordentlich Wacholder. Warum? Campari und Wermut sind laut, bitter und süß. Ein zarter, blumiger Gin geht dagegen einfach unter. Der Wacholder muss sich behaupten können, und ein Alkoholgehalt ab 40 % vol hilft dabei.

Einen teuren Gin braucht es dafür ehrlich gesagt nicht. Die feinen Nuancen eines 40-Euro-Gins verschwinden im Campari fast vollständig. Ein solider London Dry aus dem Supermarkt reicht völlig. Klassiker wie Tanqueray London Dry mit 47,3 % vol machen im Negroni eine sehr gute Figur, und auch günstige Vertreter wie der Henderson London Dry Gin von Edeka oder der Wellinghouse Premium London Dry Gin von Aldi sind eine Überlegung wert.

Negroni Zutaten

  • 30 ml Gin (London Dry)
  • 30 ml Campari
  • 30 ml roter Wermut
  • viel Eis, idealerweise ein großer Eiswürfel fürs Glas
  • 1 Orangenzeste oder eine halbe Orangenscheibe

Das Verhältnis 1:1:1 ist der Standard. Wer es weniger bitter mag, nimmt etwas mehr Gin (40 ml Gin, 25 ml Campari, 25 ml Wermut). Das ist dann zwar nicht mehr lehrbuchmäßig, aber durchaus Geschmackssache.

Wie bereitet man den Negroni zu?

  1. Einen Tumbler (Old-Fashioned-Glas) ins Gefrierfach stellen oder mit Eis kalt werden lassen.
  2. Gin, Campari und Wermut in ein Rührglas mit reichlich Eis geben.
  3. 20 bis 30 Sekunden rühren, nicht schütteln (Schütteln macht den Negroni trüb und schaumig, das will man hier nicht).
  4. Das Eis aus dem Tumbler entfernen, einen großen frischen Eiswürfel hineinlegen und den Negroni darüber abseihen.
  5. Eine Orangenzeste über dem Glas ausdrücken, damit die Öle auf den Drink sprühen, dann mit ins Glas geben.

Kein Rührglas zur Hand? Dann könnt ihr die Zutaten auch direkt im Tumbler auf Eis geben und kurz umrühren. So steht es übrigens auch im Standardrezept der International Bartenders Association. Die gerührte Variante wird allerdings gleichmäßiger kalt und verdünnt und schmeckt dadurch etwas runder.

Welcher Wermut passt zum Negroni?

Beim Wermut entscheidet sich, ob euer Negroni gut oder richtig gut wird. Gebraucht wird ein roter, süßer Wermut, auf Italienisch Vermouth Rosso. Kein trockener, weißer Wermut, der gehört in den Dry Martini.

  • Martini Rosso oder Cinzano Rosso: Die Klassiker aus dem Supermarkt. Günstig, süß, solide. Für den Einstieg völlig in Ordnung.
  • Cocchi Vermouth di Torino: Etwas würziger und mit mehr Tiefe als die Supermarkt-Klassiker.
  • Carpano Antica Formula: Kräftig, vanillig, sehr vollmundig. Macht den Negroni schwerer und süßer.
  • Punt e Mes: Deutlich bitterer. Nur für Leute, denen der Negroni noch nicht bitter genug ist.

Ganz wichtig: Wermut ist ein aromatisierter Wein. Nach dem Öffnen gehört er in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden. Ein Wermut, der seit einem Jahr offen im Regal steht, schmeckt muffig und ruiniert jeden Negroni. Das ist einer der häufigsten Fehler beim Negroni.

Wie viel Alkohol hat ein Negroni?

Mehr, als viele denken. Rechnen wir kurz: 30 ml Gin mit 40 % vol, 30 ml Campari mit 25 % vol und 30 ml Wermut mit rund 15 % vol ergeben zusammen etwa 24 ml reinen Alkohol auf 90 ml. Durch das Rühren kommt Schmelzwasser dazu. Im Glas landet ein Drink mit grob 20 bis 22 % vol. (Natürlich ist dieses Rechenbeispiel nur exemplarisch!)

Zum Vergleich: Ein Gin Tonic liegt meist bei 8 bis 10 % vol. Der Negroni ist also kein Durstlöscher, sondern ein Drink zum langsamen Genießen.

Negroni Varianten

Negroni Sbagliato

„Sbagliato“ heißt „falsch“. Statt Gin kommt Prosecco oder Spumante ins Glas. Der Legende nach griff ein Barkeeper in der Bar Basso in Mailand versehentlich zur falschen Flasche. Leichter, spritziger und mit weniger Alkohol.

White Negroni

Gin, Lillet Blanc und Suze, ein französischer Enzianlikör. Hell, kräuterig, bitter. Optisch das komplette Gegenteil, geschmacklich trotzdem klar ein Negroni.

Boulevardier

Bourbon statt Gin. Wärmer, runder, süßer. Streng genommen kein Gin-Cocktail mehr, aber einer, den man kennen sollte.

Americano

Der Vorgänger: Campari, roter Wermut und Sodawasser. Ohne Gin, deutlich leichter und ein schöner Aperitif für warme Tage.

Häufige Fragen zum Negroni

Wird ein Negroni geschüttelt oder gerührt?

Gerührt. Ein Negroni enthält keine Säfte, deshalb wird er im Rührglas mit Eis kalt gerührt oder direkt im Glas gebaut.

Welches Glas nimmt man für einen Negroni?

Einen Tumbler, auch Old-Fashioned-Glas genannt, mit einem großen Eiswürfel. Mehr dazu im Beitrag die passenden Gläser für deinen Gin-Cocktail.

Kann man Campari ersetzen?

Ja, mit anderen roten Bitterlikören wie Aperol (deutlich süßer und milder) oder Select. Dann wird es aber ein anderer Drink. Wer den klassischen Negroni will, bleibt bei Campari.

Wann trinkt man einen Negroni?

Klassisch als Aperitif vor dem Essen. Die Mischung aus bitter und süß passt genau in diesen Moment, und er harmoniert hervorragend zu kleinen Snacks wie Oliven oder Nüssen. Ein paar Ideen dazu gibt es im Beitrag welche Snacks passen zum Gin Tonic.

Weitere Klassiker findet ihr in meiner Sammlung Gin-Cocktails. Cheers!