Geschrieben von Maximilian Mende Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
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Die Hagebutte ist die rote Frucht der Heckenrose und gehört zu den bekanntesten Wildfrüchten in Mitteleuropa. Viele kennen sie als Tee oder Marmelade, im Gin sorgt sie für eine fruchtig-säuerliche Note mit einem Hauch Süße.
Besonders Brennereien, die mit heimischen Botanicals arbeiten, greifen gern zur Hagebutte. Sie passt zu Beeren, Kräutern und Tee und bringt Farbe ins Aromaprofil, ohne den Wacholder zu verdrängen. Hier erfahrt ihr, was die Hagebutte ausmacht, wie sie schmeckt und welche Gins sie nutzen.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Botanischer Name | Rosa canina (Hunds-Rose oder Heckenrose) |
| Pflanzenteil | Frucht, meist getrocknet |
| Herkunft | Europa, Westasien und Nordafrika |
| Geschmack | fruchtig, säuerlich, leicht süß und herb |
| Rolle im Gin | fruchtige Säure und milde Süße, oft in Gins mit heimischen Botanicals |

Was ist eine Hagebutte?
Als Hagebutte bezeichnet man die Früchte verschiedener Wildrosen. Die wichtigste Art ist die Hunds-Rose, Rosa canina, auch Heckenrose genannt. Der Strauch aus der Familie der Rosengewächse wächst an Waldrändern, Wegen und in Hecken und blüht im Frühsommer zartrosa bis weiß.
Botanisch ist die Hagebutte eine Sammelnussfrucht. Die rote, fleischige Hülle umschließt viele kleine, harte Nüsschen, die im Alltag als Kerne bezeichnet werden. Sie sind mit feinen Härchen besetzt, die Kinder früher als Juckpulver nutzten. Für Tee, Mus und Gin werden die Früchte deshalb meist entkernt oder als getrocknete Schalen verwendet.
Geerntet wird von September bis November. Nach den ersten Frostnächten gelten Hagebutten als weicher und etwas süßer, viele Sammler warten deshalb bis dahin.
Wie schmeckt Hagebutte?
Hagebutten schmecken fruchtig und säuerlich, mit einer milden Süße, die an Apfel oder getrocknete Aprikose erinnert. Dazu kommt eine leicht herbe, fast teeartige Note. Getrocknet wird das Aroma konzentrierter und etwas erdiger, so wie viele es vom Hagebuttentee kennen. In Franken ist das Fruchtmus als Hiffenmark bekannt und wird traditionell als Brotaufstrich oder für Gebäck verwendet.
Im Vergleich zu Sanddorn ist die Hagebutte deutlich milder in der Säure. Im Vergleich zur Schlehe fehlt ihr die ausgeprägte Adstringenz, also das pelzige Gefühl auf der Zunge.
Hagebutte im Gin
Im Gin kommt die Hagebutte meist getrocknet in die Mazeration. Ihre Aromen sind weniger flüchtig als die von Zitrusschalen, deshalb braucht es eine gewisse Menge und Zeit, damit sie im Destillat ankommen. Manche Hersteller geben sie auch nach der Destillation als Mazerat zu, was dem Gin eine rötliche Farbe geben kann.
Hagebutte rundet den Wacholder ab und verbindet sich gut mit Holunder, Sanddorn und Beeren. Mit Rose, Hibiskus oder Tee entsteht ein blumig-fruchtiges Profil, wie es in vielen Pink Gins vorkommt. In würzigen Rezepturen sorgt sie für eine sanfte Fruchtigkeit im Hintergrund. Da die Hagebutte in Europa wild wächst, passt sie gut zu Gins, die ihre Herkunft über regionale Botanicals erzählen.
Gins mit Hagebutte
Einen reinen Hagebutten Gin gibt es selten, als Botanical steckt die Frucht aber in einigen getesteten Gins:
- Triple Peak London Dry Gin: Hagebutte, Sanddorn und Holunder stehen im Vordergrund.
- ECK Koblenz Old Tom Gin: Hagebutte und Weinbergpfirsich geben Süße.
- Mampe’s Kreuzberg 61 Gin: Wacholder und Hagebutte dominieren in Nase und Geschmack.
- Hoxton Pink Gin: kombiniert Hagebutte mit Gunpowder-Tee, Rose und Hibiskus.
- Ungava Canadian Premium Gin: wilde Hagebutte neben Moltebeeren und kanadischem Wacholder.
- Funky Pump Gin: Hagebutte als eines von 15 Botanicals, neben Preiselbeere und Lavendel.
Hagebutte im Gin Tonic
Getrocknete Hagebuttenschalen sind eine ungewöhnliche, aber passende Garnitur. Ein Teelöffel reicht, sie geben nach einigen Minuten eine leichte Farbe und eine fruchtige Säure ab. Gut funktionieren fruchtige Gins mit Beeren oder Rose und ein neutrales Indian Tonic. Blumige Ergänzungen findet ihr im Beitrag Rosen Blüten als Gin Tonic Gewürz, eine Idee für mehr Farbe bei Hibiskus als Gin Tonic Gewürz.
Wer Hagebutte in einem rosafarbenen Gin sucht, findet im Beitrag über Pink Gin weitere Anregungen.
Häufige Fragen zur Hagebutte
Von welcher Pflanze stammt die Hagebutte?
Von Wildrosen, vor allem von der Hunds-Rose Rosa canina. Auch andere Rosenarten bilden Hagebutten, sie unterscheiden sich in Größe und Form.
Kann man Hagebutten roh essen?
Das Fruchtfleisch ja, die behaarten Kerne sollte man entfernen. Die Härchen kratzen unangenehm, deshalb werden Hagebutten meist verarbeitet.
Wie schmeckt ein Hagebutten Gin?
Fruchtig, leicht säuerlich und mild. Die Hagebutte bleibt meist im Hintergrund und rundet Wacholder und Beerennoten ab.
Weitere Botanicals
- Sanddorn: saure Küstenbeere, oft zusammen mit Hagebutte im Gin.
- Schlehe: ebenfalls ein Rosengewächs und Basis des Sloe Gin.
- Wacholderbeeren: das Pflicht-Botanical in jedem Gin.
Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Früchte. Cheers!

