Sanddornzweig mit orangefarbenen Beeren

Sanddorn: Geschmack, Herkunft und Rolle im Gin

Geschrieben von Ginmaster

Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.

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Sanddorn ist ein dorniger Strauch, der an den Küsten von Nord- und Ostsee wächst und im Herbst leuchtend orange Beeren trägt. Wegen ihrer kräftigen Säure werden sie auch Zitrone des Nordens genannt.

Für Gin sind die Beeren spannend, weil sie Säure, Frucht und eine leicht herbe Note mitbringen. Vor allem Brennereien aus Norddeutschland nutzen Sanddorn als regionales Botanical. Hier erfahrt ihr, woher die Pflanze kommt, wie sie schmeckt und welche Gins mit ihr arbeiten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Botanischer NameHippophae rhamnoides
PflanzenteilBeeren, frisch, getrocknet oder als Saft
HerkunftEuropa und Asien, in Deutschland vor allem an Nord- und Ostsee
Geschmacksehr sauer, fruchtig, leicht herb und bitter
Rolle im Ginfruchtige Säure, Brücke zwischen Wacholder und Zitrus
Sanddornzweig mit orangefarbenen Beeren

Was ist Sanddorn?

Sanddorn gehört zur Familie der Ölweidengewächse. Der Strauch wird meist zwei bis vier Meter hoch, hat schmale, silbrig grüne Blätter und kräftige Dornen. Er wächst gern auf sandigen, nährstoffarmen Böden und kommt mit Wind und Salz gut zurecht. Deshalb findet man ihn in Deutschland vor allem in den Dünen an Nord- und Ostsee, dazu auf Kiesflächen in den Alpen. Große Bestände gibt es außerdem in Asien, etwa in China und der Mongolei.

Die Pflanzen sind zweihäusig: Nur die weiblichen Sträucher tragen Beeren. Diese reifen von August bis Oktober und sitzen so dicht am Zweig, dass die Ernte mühsam ist. Häufig werden ganze Fruchtzweige geschnitten und tiefgefroren, danach lassen sich die Beeren abschütteln. Aus den Früchten entstehen Saft, Mus, Likör und Fruchtaufstriche.

Wie schmeckt Sanddorn?

Der Sanddorn Geschmack ist vor allem eines: sauer. Pur gegessen ziehen die Beeren den Mund zusammen. Hinter der Säure stecken fruchtige Noten, die oft mit Maracuja, Ananas oder Aprikose verglichen werden, dazu eine leicht bittere, herbe Seite.

Das Fruchtfleisch ist ungewöhnlich ölhaltig. Dieses Öl gibt Sanddornsaft seine trübe, orange Farbe und einen etwas volleren Eindruck am Gaumen. Mit Zucker oder Honig kombiniert wird der Geschmack deutlich runder, deshalb sind die meisten Sanddornprodukte gesüßt.

Sanddorn im Gin

Im Gin wird Sanddorn meist als getrocknete oder frische Beere mazeriert, bevor destilliert wird. Einige Hersteller geben nach der Destillation Saft oder ein Mazerat hinzu, was dem Gin eine leichte Färbung verleihen kann. Die Säure selbst geht beim Destillieren kaum über, die fruchtigen Aromen dagegen schon.

Sanddorn ergänzt Zitrusschalen gut und nimmt dem Wacholder etwas Strenge. Mit Koriander und Kardamom entsteht ein frisches, leicht würziges Profil. Typisch ist Sanddorn für New Western Dry Gins und für Küsten-Gins, die mit regionalen Botanicals arbeiten, oft zusammen mit Holunder, Hagebutte oder Algen.

Gins mit Sanddorn

In den Ginnatic-Testberichten taucht Sanddorn bei einigen Gins als Zutat auf. Ein Sanddorn Gin muss dabei nicht von der Küste kommen:

Sanddorn im Gin Tonic

Ein Sanddorn Gin braucht ein Tonic, das die Frucht nicht überdeckt. Ein mildes, eher trockenes Tonic Water lässt die Säure und die herbe Note gut zur Geltung kommen. Als Garnitur passen eine Orangenzeste oder ein paar tiefgefrorene Sanddornbeeren, die gleichzeitig kühlen. Wer es fruchtiger mag, gibt einen Barlöffel Sanddornsaft ins Glas.

Wie ihr Gin und Tonic richtig mischt, steht im Beitrag zum perfekten Mischverhältnis. Das Grundrezept findet ihr beim Gin Tonic.

Häufige Fragen zum Sanddorn

Wie schmeckt Sanddorn pur?

Sehr sauer, fruchtig und leicht bitter. Deshalb wird Sanddorn fast immer gesüßt oder mit anderen Zutaten kombiniert.

Warum heißt Sanddorn Zitrone des Nordens?

Wegen seiner kräftigen Säure und seines Vorkommens an Nord- und Ostsee. Der Name ist ein Beiname aus dem Volksmund, botanisch ist Sanddorn nicht mit Zitrusfrüchten verwandt.

Wann wird Sanddorn geerntet?

Von August bis Oktober, je nach Region und Sorte. Weil die Beeren sehr empfindlich sind, werden oft ganze Zweige geschnitten und eingefroren.

Ist ein Sanddorn Gin süß?

Das hängt vom Hersteller ab. Destillierte Sanddorn Gins sind meist trocken und fruchtig, Varianten mit zugesetztem Saft oder Zucker schmecken deutlich süßer.

Weitere Botanicals

  • Hagebutte: fruchtig-säuerliche Wildfrucht, oft Partner des Sanddorns.
  • Schlehe: herbe Wildfrucht und Basis des Sloe Gin.
  • Zitronenschale: die klassische Zitrusnote im Gin.

Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Früchte. Cheers!

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