Wacholderzweig mit blauen Wacholderbeeren und Schale mit Beeren

Wacholderbeeren: Herkunft, Geschmack und warum Gin ohne sie nicht geht

Geschrieben von Ginmaster

Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.

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Wacholderbeeren sind der Grund, warum Gin nach Gin schmeckt. Ohne die kleinen, blauschwarzen Beeren gibt es rechtlich keinen Gin, und kein anderes Botanical prägt den Charakter so stark: harzig, nadelig, frisch und leicht pfeffrig.

In diesem Überblick zum wichtigsten Gin-Botanical erfahrt ihr, was Wacholder botanisch eigentlich ist, woher die Beeren für Gin stammen, warum sie zwei bis drei Jahre bis zur Reife brauchen und welche Aromastoffe hinter dem typischen Geschmack stecken. Dazu kommen Gins aus den Ginnatic-Testberichten, bei denen der Wacholder selbst die Hauptrolle bekommt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Botanischer NameJuniperus communis (Gemeiner Wacholder)
Pflanzenteilreife Beerenzapfen, meist getrocknet
Herkunftgesamte Nordhalbkugel; für Gin gelten Toskana und Balkan als klassische Lieferregionen
Geschmackharzig, nadelig, frisch, leicht süßlich und pfeffrig
Rolle im GinPflichtzutat und geschmacklicher Kern jedes Gins
Wacholderzweig mit blauen Wacholderbeeren und Schale mit Beeren

Was ist Wacholder?

Wer sich fragt, was ist Wacholder eigentlich, landet bei einem immergrünen Nadelgehölz aus der Familie der Zypressengewächse. Der Gemeine Wacholder wächst je nach Standort als niedriger, breiter Strauch oder als schmaler Baum von mehreren Metern Höhe. Er gilt als das Nadelgehölz mit dem größten Verbreitungsgebiet der Welt und kommt von Nordamerika über Europa bis nach Asien vor, oft auf kargen Heiden, an sonnigen Hängen und in lichten Wäldern.

Streng genommen sind Wacholderbeeren gar keine Beeren. Es handelt sich um Zapfenbeeren: kleine weibliche Zapfen, deren Schuppen fleischig werden und miteinander verwachsen. Da Wacholder meist zweihäusig ist, tragen nur die weiblichen Pflanzen Beeren. Die Zapfen brauchen zwei bis drei Jahre, bis sie reif sind. Im ersten Jahr bleiben sie grün und hart, erst danach färben sie sich blauschwarz mit einem hellen, wachsartigen Reif. An einem Strauch hängen deshalb oft grüne und reife Beeren gleichzeitig.

Geerntet wird zum großen Teil aus Wildsammlung: Die reifen Beeren werden von den Zweigen geklopft, gereinigt und getrocknet. Als klassische Lieferregionen für Gin gelten die Toskana und der Balkan, vor allem Nordmazedonien. Dort wächst Wacholder in großen Beständen, und die Beeren gelten als besonders ölreich.

Wie schmecken Wacholderbeeren?

Wacholderbeeren schmecken harzig, nadelig und frisch, dazu kommen eine leichte Süße, eine pfeffrige Schärfe und eine zitrusartige Note. Zerdrückt man eine Beere, riecht es nach Kiefernwald und ein wenig nach Terpentin. Beim Thema Wacholderbeeren Geschmack lohnt ein Vergleich: Getrocknete Beeren wirken runder und würziger als frische.

Verantwortlich für das Aroma sind ätherische Öle aus der Gruppe der Terpene. Der wichtigste Aromastoff ist alpha-Pinen, der auch in Kiefernnadeln steckt und den typischen Nadelwaldduft liefert. Daneben tragen Myrcen, Sabinen und Limonen zum Gesamtbild bei. Wie hoch der Ölgehalt ausfällt, hängt stark von Herkunft, Jahrgang und Reifegrad ab.

Wacholderbeeren im Gin

Ohne Wacholder kein Gin: Die EU-Spirituosenverordnung (EU) 2019/787 legt fest, dass Gin mit Wacholderbeeren aromatisiert wird und der Geschmack vorwiegend nach Wacholder sein muss. Dazu kommt ein Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol. Für Distilled Gin und London Dry Gin gelten zusätzliche Regeln zur Herstellung. Wie stark der Wacholder genau hervortreten muss, beziffert die Verordnung nicht. Deshalb gibt es auch sehr fruchtige oder blumige Gins, bei denen er eher im Hintergrund bleibt.

In der Brennblase stellen Wacholderbeeren in vielen Rezepturen den mengenmäßig größten Anteil der Botanicals. Sie werden meist ganz oder leicht angequetscht im Alkohol eingelegt und anschließend destilliert. Wie das Einlegen funktioniert, erklärt der Beitrag über die Mazeration. Manche Brennereien hängen die Beeren auch in einen Aromakorb, durch den der Alkoholdampf strömt. Diese Methode gilt als schonender und liefert ein frischeres Wacholderprofil.

Wacholder ist das Gerüst, an dem sich alle anderen Botanicals festhalten. Koriandersamen ergänzen ihn mit zitrusartiger Würze, Angelikawurzel bindet die Aromen, Zitrusschalen bringen Frische. Klassische Stile wie London Dry Gin stellen den Wacholder klar in den Vordergrund, moderne New Western Dry Gins nehmen ihn zugunsten anderer Botanicals zurück. Welche Zutaten zur klassischen Grundrezeptur gehören, zeigt der Überblick über die wichtigsten Botanicals für einen London Dry Gin.

Gins mit Wacholderbeeren

Wacholder steckt in jedem Gin. Wer einen ausgeprägten Wacholder Gin sucht, achtet am besten auf Herkunft und Auswahl der Beeren. Bei diesen Gins aus den Ginnatic-Testberichten spielt genau das eine besondere Rolle:

  • Der Tanqueray Bloomsbury London Dry Gin kommt mit nur fünf Botanicals aus, darunter Wacholder aus der Toskana.
  • Der Ex-Pornostar Gin aus Österreich verwendet ebenfalls toskanische Wacholderbeeren, ergänzt durch Zedernholz und Himbeere.
  • Der Boxer Gin kombiniert zwei Wacholdersorten, eine aus Nepal und eine aus Bulgarien.
  • Der LAW Gin aus Ibiza arbeitet ebenfalls mit zwei verschiedenen Wacholdersorten.
  • Eversbusch’s Doppel-Wachholder verspricht pures Wacholderaroma und zeigt, wie Wacholder ohne lange Botanical-Liste schmeckt.

Wacholderbeeren im Gin Tonic

Ein paar ganze Wacholderbeeren im Glas verstärken die harzige Frische eines Gin Tonics und passen besonders zu klassischen, wacholderbetonten Gins. Wie viele Beeren sinnvoll sind und wie lange sie ziehen sollten, steht im Beitrag Wacholder als Gin Tonic Gewürz.

Als Tonic eignet sich ein klassisches Indian Tonic wie das Fever Tree Tonic Water, das dem Wacholder genug Raum lässt. Das Grundrezept findet ihr im Gin Tonic Rezept.

Wacholder, Genever und die Geschichte des Gins

Der Name Gin geht auf das niederländische Wort für Wacholder zurück, das auch im Genever steckt. Wie aus einem Wacholderdestillat im 17. Jahrhundert das Modegetränk Londons wurde, lest ihr ausführlich in Wacholder und Gin, eine Geschichte und in der Geschichte des Gins.

Häufige Fragen zu Wacholderbeeren

Was ist Wacholder?

Ein immergrünes Nadelgehölz aus der Familie der Zypressengewächse. Für Gin werden die Zapfenbeeren des Gemeinen Wacholders verwendet.

Warum muss Gin nach Wacholder schmecken?

Weil die EU-Verordnung 2019/787 es so vorschreibt. Ohne vorherrschenden Wacholdergeschmack darf eine Spirituose nicht als Gin verkauft werden.

Wie lange brauchen Wacholderbeeren zum Reifen?

Zwei bis drei Jahre. Deshalb tragen Wacholdersträucher oft grüne und blauschwarze Beeren zur selben Zeit.

Welcher Wacholderbeeren Gin schmeckt besonders nach Wacholder?

Vor allem klassische London Dry Gins. Sie stellen den Wacholder bewusst in den Vordergrund, etwa der Tanqueray Bloomsbury mit toskanischem Wacholder.

Weitere Botanicals

Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Früchte. Cheers!

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