Grüne Hopfendolden mit Hopfenblatt

Hopfen: Geschmack, Bitterstoffe und Hopfen Gin

Geschrieben von Ginmaster

Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.

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Hopfen kennt jeder als Würze im Bier. Die grünen Dolden sorgen dort für die typische Bittere und für Aromen von Zitrus, Kräutern oder tropischen Früchten. Seit einigen Jahren landet Hopfen auch im Gin, vor allem bei deutschen Herstellern und bei Brauereien, die sich an Spirituosen wagen.

Für Gin ist Hopfen spannend, weil er dem Wacholder eine grüne, harzige und florale Note an die Seite stellt. Je nach Sorte schmeckt ein Hopfen Gin eher nach Grapefruit, nach Wiese oder nach Mandarine. Hier erfahrt ihr, was Hopfen ist, wie er schmeckt und welche Gins ihn nutzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Botanischer NameHumulus lupulus
Pflanzenteilweibliche Blütenstände (Dolden)
Herkunftgemäßigte Zonen der Nordhalbkugel, in Deutschland vor allem die Hallertau
Geschmackgrün, harzig, floral, je nach Sorte zitrusartig oder fruchtig
Rolle im GinAroma-Botanical für Frische und einen herben Unterton
Grüne Hopfendolden mit Hopfenblatt

Was ist Hopfen?

Hopfen ist eine mehrjährige Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Die Ranken wachsen im Sommer an hohen Gerüsten mehrere Meter in die Höhe. Für Bier und Gin werden nur die weiblichen Blütenstände geerntet, die Dolden oder Hopfenzapfen. Zwischen ihren Blättchen sitzen kleine gelbe Drüsen mit dem sogenannten Lupulin.

Deutschland gehört zu den größten Hopfenproduzenten der Welt. Die Hallertau in Bayern gilt als größtes zusammenhängendes Anbaugebiet, weitere Regionen sind Tettnang am Bodensee, Spalt und das Elbe-Saale-Gebiet. Nach der Ernte im Spätsommer werden die Dolden getrocknet und meist zu Pellets gepresst.

Wie schmeckt Hopfen?

Im Lupulin stecken zwei Gruppen von Stoffen. Die Bitterstoffe, vor allem die Alpha-Säuren wie Humulon, sorgen im Bier für die Bittere. Die ätherischen Öle liefern das Aroma. Zu den wichtigsten gehören Myrcen, das grün und harzig riecht, und Humulen, das eher holzig und würzig wirkt.

Wie ein Hopfen schmeckt, hängt stark von der Sorte ab. Klassische Aromahopfen wie Tettnanger wirken blumig und kräuterig. Neuere Sorten wie Cascade bringen Grapefruit und Kiefer, die deutsche Züchtung Mandarina Bavaria erinnert an Mandarine und Orange.

Hopfen im Gin

Im Gin wird Hopfen meist mazeriert und destilliert oder im Aromakorb über den Dampf gehängt. Dabei zeigt sich ein wichtiger Unterschied zum Bier: Die Alpha-Säuren sind kaum flüchtig. Bei der Destillation geht vor allem das Aroma über, die Bittere bleibt größtenteils zurück. Ein Hopfen Gin schmeckt deshalb selten so bitter wie ein Pils.

Mit Wacholder harmoniert Hopfen gut, weil beide harzige, grüne Noten mitbringen. Zitrusschalen und Koriander verstärken die frische Seite, Lavendel und Blüten die florale. Zu viel Hopfen kann allerdings grasig oder zwiebelartig wirken, deshalb dosieren Brennereien ihn meist vorsichtig.

Gins mit Hopfen

In den Ginnatic-Testberichten tauchen einige Gins auf, bei denen Hopfen ausdrücklich zu den Botanicals gehört:

Hopfen Gin aus der Brauerei

Für Brauereien liegt der Schritt zum Gin nahe: Hopfen ist ohnehin im Haus, und das Wissen über Sorten und Aromen auch. Zwei Beispiele aus den Testberichten zeigen das. Hinter dem Warburger Brewhouse Gin steht eine Brauerei aus Warburg, auf der Flasche werden Hopfen und Wacholder als Hauptbotanicals genannt. Der Mikkeller Spirits Botanical Gin kommt vom dänischen Craft-Bier-Hersteller Mikkeller und enthält neben Wacholder, Orange und Zitronengras ebenfalls Hopfen.

Wer sich für die Unterschiede zwischen beiden Welten interessiert, findet im Artikel Was Biertrinker von Gintrinkern unterscheidet eine augenzwinkernde Antwort.

Hopfen im Gin Tonic

Als Garnitur eignet sich eine getrocknete Hopfendolde oder ein paar zerzupfte Blättchen. Mehr braucht es nicht, sonst wird der Drink schnell grasig. Dazu passt eine Zeste von Grapefruit oder Orange, die die zitrusartigen Hopfennoten aufgreift.

Beim Tonic funktioniert ein trockenes, eher herbes Tonic wie das Thomas Henry Tonic Water. Wer den Hopfen stärker betonen will, nimmt einen Hopfen Gin als Basis. Das Grundrezept gibt es im Gin Tonic Rezept.

Häufige Fragen zu Hopfen

Schmeckt ein Hopfen Gin nach Bier?

Nein, eher nach Kräutern, Zitrus und Harz. Die typische Bierbittere bleibt bei der Destillation größtenteils in der Blase zurück.

Welcher Teil des Hopfens kommt in den Gin?

Die getrockneten weiblichen Dolden. Ihr Lupulin enthält die Aromaöle, auf die es im Gin ankommt.

Welche Hopfensorten werden für Gin genutzt?

Vor allem Aromasorten wie Cascade oder Mandarina Bavaria. Sie bringen fruchtige und zitrusartige Noten statt reiner Bittere.

Warum machen Brauereien Gin?

Weil Hopfen, Malz und Know-how schon vorhanden sind. Ein Gin erweitert das Sortiment und zeigt die Rohstoffe von einer neuen Seite.

Weitere Botanicals

  • Malz: der zweite Bier-Rohstoff, der im Gin auftaucht
  • Lavendel: floraler Partner, der mit Hopfen oft kombiniert wird
  • Salbei: würziges Kraut mit leicht herber Note

Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Kräuter und Blüten. Cheers!

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