Woraus wird Gin gemacht? Gin besteht aus Neutralalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, Wacholderbeeren, weiteren Botanicals und Wasser. Der Alkohol stammt meist aus Getreide, Melasse, Kartoffeln oder Trauben. Wacholder ist Pflicht und muss im Geschmack vorherrschen. Koriander, Angelikawurzel, Zitrusschalen und viele andere Pflanzen formen das individuelle Aroma.
Jede dieser Zutaten hat eine eigene Aufgabe. Unten erfahrt ihr, woher der Alkohol kommt, warum Wacholder so wichtig ist, welche Botanicals in fast jedem Gin stecken und welche Rolle das Wasser übernimmt. Um die einzelnen Produktionsschritte geht es hier bewusst nicht, die erklärt der Ratgeber Wie wird Gin hergestellt?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Basis ist Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit mindestens 96 % vol.
- Wacholderbeeren der Art Juniperus communis sind die einzige vorgeschriebene Pflanzenzutat.
- Die meisten Gins enthalten zwischen 4 und 15 Botanicals, einige deutlich mehr.
- Koriander, Angelikawurzel und Zitrusschalen gelten als klassisches Grundgerüst.
- Mit Wasser wird der Gin auf Trinkstärke von mindestens 37,5 % vol gebracht.
Die Basis: Neutralalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs
Jeder Gin beginnt mit Alkohol. Die EU-Spirituosenverordnung 2019/787 verlangt dafür Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs. Gemeint ist ein hochreiner Alkohol mit mindestens 96 % vol, der aus vergorenen Agrarrohstoffen destilliert wird. Synthetisch hergestellter Alkohol ist ausgeschlossen.
Welcher Rohstoff dahintersteckt, entscheidet der Hersteller. Die gängigen Varianten:
| Rohstoff | Typischer Charakter |
| Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Mais) | am weitesten verbreitet, neutral bis leicht weich; Roggen gilt als etwas würziger |
| Melasse (Zuckerrohr oder Zuckerrübe) | günstige und häufige Basis, sehr neutral |
| Kartoffeln | wird ein cremiges, volles Mundgefühl zugeschrieben |
| Trauben | seltener, gilt als fruchtig und rund |
Da der Alkohol sehr hoch rektifiziert ist, schmeckt er kaum noch nach seinem Ausgangsprodukt. Unterschiede zeigen sich eher im Mundgefühl als im Aroma. Viele Destillerien kaufen den Neutralalkohol zu und konzentrieren sich auf die Aromatisierung. Nur wenige brennen ihn selbst. Wie aus Getreide oder Kartoffeln reiner Alkohol wird, beschreibt der Beitrag zur Herstellung von Neutralalkohol.
Wacholder: die Pflichtzutat
Ohne Wacholder kein Gin. Das ist die wichtigste Regel. Vorgeschrieben sind Beeren des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis). Botanisch sind es übrigens keine echten Beeren, sondern Zapfen, deren Schuppen fleischig verwachsen sind.
Wacholder bringt harzige, pinienartige und leicht pfeffrige Noten mit, dazu eine feine Süße und etwas Bitterkeit. Sein Anteil muss so groß sein, dass er geschmacklich vorherrscht. Ein großer Teil der Beeren für die Gin-Produktion stammt aus Wildsammlung, als Herkunft werden häufig Italien und die Balkanländer genannt. Mehr zur langen Verbindung zwischen der Pflanze und der Spirituose lest ihr im Beitrag Wacholder und Gin: eine Geschichte.
Typische Botanicals und ihr Aroma
Alle Pflanzenzutaten außer dem Alkohol nennt die Branche Botanicals. Dazu zählen Samen, Wurzeln, Rinden, Schalen, Blüten und Kräuter. Einige tauchen in fast jedem klassischen Gin auf:
| Botanical | Pflanzenteil | Aroma und Aufgabe |
| Koriander | Samen | würzig, zitrusartig, leicht nussig; nach dem Wacholder oft die zweitwichtigste Zutat |
| Angelika (Engelwurz) | Wurzel, seltener Samen | erdig, trocken, moschusartig; gilt als Bindeglied, das die Aromen zusammenhält |
| Zitrusschalen | getrocknete Schale | Zitrone, Orange oder Bitterorange sorgen für Frische |
| Iriswurzel (Veilchenwurzel) | Wurzel | pudrig, dezent blumig; ihr wird eine aromafixierende Wirkung zugeschrieben |
| Kassia | Rinde | zimtartig, warm, etwas herber als Ceylon-Zimt |
| Süßholz | Wurzel | süßlich, weich; rundet den Gin ab und gibt Fülle |
| Kardamom | Samen | frisch, würzig, leicht eukalyptusartig |
Die Menge macht den Unterschied. Oft genügen wenige Gramm eines Botanicals auf mehrere Liter Alkohol, damit es herausschmeckt. Die Kunst liegt darin, dass keine Zutat den Wacholder verdrängt. Einige Klassiker kommen mit sehr wenigen Botanicals aus: Für Tanqueray werden gemeinhin vier genannt, nämlich Wacholder, Koriander, Angelika und Süßholz. Der Monkey 47 trägt dagegen die Zahl seiner 47 Botanicals im Namen.
Neben den Klassikern setzen viele Hersteller auf eine Signature-Zutat, die ihren Gin wiedererkennbar macht. Bei Hendrick’s sind es Gurke und Rose, bei Gin Mare Olive, Rosmarin und Basilikum. Regionale Gins nutzen gern Zutaten aus der Umgebung, etwa Tannenspitzen, Fichtennadeln oder Hopfen. Welche Pflanzen für einen London Dry Gin typisch sind, zeigt der Ratgeber Die wichtigsten Botanicals für einen klassischen London Dry Gin. Einzelne Zutaten findet ihr auch im Botanical-Lexikon, zum Beispiel Koriandersamen oder Kardamom.
Wasser und weitere Zutaten
Nach der Aromatisierung hat das Gin-Destillat meist 70 % vol oder mehr. Um auf Trinkstärke zu kommen, wird es mit Wasser verdünnt. Wie viel Wasser hinzukommt, bestimmt den späteren Alkoholgehalt in der Flasche. Dafür nutzen die Brennereien weiches, demineralisiertes oder besonders reines Quellwasser. Hartes Wasser mit vielen Mineralien könnte den Gin trüben oder den Geschmack verändern. Viele Hersteller werben deshalb mit ihrer Wasserquelle, etwa aus dem Schwarzwald oder aus Gletschergebieten.
Weitere Zutaten hängen von der Kategorie ab:
- Zucker: Bei London Dry Gin sind höchstens 0,1 g pro Liter erlaubt. Old Tom Gin ist bewusst leicht gesüßt.
- Aromen und Farbstoffe: Bei Gin und Distilled Gin zulässig, bei London Dry Gin verboten. Pink Gins erhalten ihre Farbe oft durch Fruchtauszüge oder Farbstoffe.
- Früchte: Beim Sloe Gin werden Schlehen in Gin eingelegt. Das Ergebnis ist rechtlich ein Likör.
Ein Blick aufs Etikett verrät also viel. Steht dort London Dry Gin, stammen alle Aromen aus natürlichen Botanicals, die gemeinsam destilliert wurden. Wie die Kategorien sich unterscheiden, erklärt die Antwort Was ist Gin?
Häufige Fragen zu den Zutaten von Gin
Ist Gin aus Kartoffeln gemacht?
Manchmal, aber selten. Die meisten Gins basieren auf Getreide- oder Melassealkohol. Kartoffelalkohol ist erlaubt und wird von einigen Herstellern gezielt eingesetzt.
Ist in Gin Zucker enthalten?
In den meisten Gins kaum oder gar nicht. London Dry Gin darf höchstens 0,1 g Zucker pro Liter enthalten. Old Tom Gin und viele aromatisierte Gins sind dagegen leicht gesüßt, Sloe Gin deutlich.
Ist Gin glutenfrei?
Gin aus Getreide gilt durch die Destillation als praktisch glutenfrei, weil Gluten nicht mit übergeht. Wer an Zöliakie leidet, sollte trotzdem auf die Angaben des Herstellers achten und im Zweifel ärztlichen Rat einholen.
Wie viele Botanicals hat ein Gin?
Meist zwischen 4 und 15. Nach oben gibt es keine Grenze. Mehr Botanicals bedeuten aber nicht automatisch einen besseren Gin.
- Wie wird Gin hergestellt?: Mazeration, Destillation und Dampfinfusion erklärt
- Was ist Gin?: Definition und alle Gin-Arten
- Wer darf Gin herstellen?: was rechtlich nötig ist
- Das Phänomen Mazeration: wie die Aromen in den Alkohol gelangen
Weitere Fragen und Antworten rund um Gin findet ihr unter Antworten. Cheers!

