Geschrieben von Maximilian Mende Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
Über 700 Gins verkostet, einen eigenen gebrannt.·seit 2015·LinkedIn·Facebook·Tripadvisor·Google Maps·Homepage
Grapefruit bringt eine herbe, leicht bittere Frische in den Gin, die sich deutlich von Zitrone und Orange unterscheidet. Seit einigen Jahren gehört sie zu den beliebtesten Zitrus-Botanicals, in klassischen Rezepturen ebenso wie in fruchtigen Pink Gins.
Hier erfahrt ihr, woher die Grapefruit stammt, welcher Aromastoff ihren typischen Duft prägt, wie Brennereien sie einsetzen und welche Grapefruit Gins in den Ginnatic-Testberichten auftauchen.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Botanischer Name | Citrus × paradisi |
| Pflanzenteil | Fruchtschale, seltener Saft oder ganze Frucht |
| Herkunft | entstanden in der Karibik, Anbau heute in vielen subtropischen Regionen |
| Geschmack | herb, bitter, saftig, leicht süß |
| Rolle im Gin | frische, bittere Zitrusnote, oft als Ergänzung oder Ersatz für Zitrone |

Was ist Grapefruit?
Die Grapefruit (Citrus × paradisi) ist eine vergleichsweise junge Zitrusfrucht. Sie entstand vermutlich im 18. Jahrhundert auf Barbados als zufällige Kreuzung aus Pomelo und Orange. Ihr Name wird gern damit erklärt, dass die Früchte in Trauben am Baum hängen, ähnlich wie Weintrauben. Heute wird sie in vielen subtropischen Regionen angebaut, etwa in den USA, in Mexiko, Südafrika und im Mittelmeerraum.
Es gibt weiße, rosa und rote Sorten. Die Pink Grapefruit und rote Sorten schmecken etwas süßer und verdanken ihre Farbe dem Farbstoff Lycopin. Umgangssprachlich wird die Grapefruit oft Pampelmuse genannt. Botanisch ist die Pampelmuse aber eine andere Frucht, nämlich die deutlich größere Pomelo, einer der Elternteile der Grapefruit.
Wie schmeckt Grapefruit?
Grapefruit schmeckt herb, saftig und deutlich bitter, mit einer feinen Süße, die bei rosa und roten Sorten stärker ausfällt. Die Schale riecht intensiver als das Fruchtfleisch und bringt eine leicht würzige, fast grüne Note mit.
Der wichtigste Aromastoff ist Nootkaton, der den typischen Grapefruitduft prägt und vor allem in der Schale vorkommt. Die Bitterkeit stammt hauptsächlich vom Flavonoid Naringin. Wie bei allen Zitrusfrüchten ist Limonen mengenmäßig der Hauptbestandteil des Schalenöls, für den unverwechselbaren Grapefruitcharakter sorgt aber Nootkaton.
Grapefruit im Gin
Die meisten Brennereien verwenden Grapefruitschale, frisch oder getrocknet, und destillieren sie mit den übrigen Botanicals. Manche Hersteller mazerieren auch Saft oder ganze Früchte, was mehr Fruchtigkeit, aber auch mehr Süße bringt. Wird die Schale im Dampfkorb destilliert, bleibt die frische Seite besonders gut erhalten.
Mit Wacholder bildet Grapefruit eine stimmige Kombination: Die Bitterkeit greift die harzigen Töne auf, die Frische hellt sie auf. In klassischen London Dry Gins ergänzt sie Zitrone und Orange, in manchen Gins ersetzt sie die Zitrone sogar ganz. Ein Grapefruit Gin im engeren Sinn stellt die Frucht in den Mittelpunkt und wirkt fruchtiger, oft auch süßer. Solche Gins sind häufig rosa gefärbt und stehen dem Pink Gin nahe.
Gins mit Grapefruit
Diese Gins aus den Ginnatic-Testberichten nennen Grapefruit ausdrücklich als Botanical:
- Der Tanqueray No. Ten Gin nutzt Grapefruit, Orangen und Limetten neben Wacholder und Koriander.
- Der Malfy Gin Rosa aus Italien wird von Grapefruit dominiert, ergänzt durch Rhabarber und Zitronenschalen.
- Der No. 3 London Dry Gin holt seine Zitrusnoten aus Orange und Grapefruit und verzichtet ganz auf Zitrone.
- Der Kaiza 5 Gin kommt mit fünf Botanicals aus, darunter Grapefruit und schwarze Johannisbeere.
- Der Riot Gin kombiniert Grapefruitschale mit Zitronenschale und Kumquats bei 50 % vol.
- Der Pink Grapefruit Gin von Heiko Hoos basiert auf mazeriertem Grapefruitsaft. Mit 30,5 % vol. liegt er allerdings unter dem Mindestalkoholgehalt für Gin und erinnert eher an einen Likör.
Grapefruit im Gin Tonic
Eine Scheibe oder Zeste von der Pink Grapefruit ist eine beliebte Garnitur, vor allem bei zitrusbetonten und fruchtigen Gins. Die Zeste bringt die Öle, die Scheibe etwas Saft und Süße. Gut dazu passen ein Zweig Rosmarin oder ein paar Wacholderbeeren. Auch für den Apostoles Gin empfiehlt dessen Macher eine Grapefruitzeste im Gin Tonic.
Als Tonic eignet sich ein klassisches, nicht zu süßes Indian Tonic wie das Fever Tree Tonic Water. Statt Tonic funktioniert auch Grapefruit-Limonade: Der Signature Drink von The Corinthian London Dry Gin ist eine vereinfachte Form eines Gin Grapefruit Fizz aus Gin und Grapefruit-Soda. Weitere Grundlagen stehen im Gin Tonic Rezept.
Häufige Fragen zur Grapefruit
Was ist ein Grapefruit Gin?
Ein Gin, bei dem Grapefruit das prägende Fruchtaroma liefert. Rechtlich muss trotzdem Wacholder vorherrschen, geschmacklich stehen bei vielen Grapefruit Gins aber Frucht und Bitterkeit weit vorne.
Ist Pampelmuse dasselbe wie Grapefruit?
Umgangssprachlich ja, botanisch nein. Die echte Pampelmuse ist die Pomelo, einer der Elternteile der Grapefruit.
Warum schmeckt Grapefruit bitter?
Vor allem wegen des Flavonoids Naringin. Den typischen Duft liefert dagegen Nootkaton.
Weitere Botanicals
- Zitronenschale: der klassische Frischegeber im Gin
- Limette: grüne, herbe Zitrusfrische
- Yuzu: die aromatische Zitrusfrucht aus Japan
Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Früchte. Cheers!

