Geschrieben von Maximilian Mende Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
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Lavendel kennt jeder aus der Provence, aus dem Kräutergarten oder vom Duftsäckchen im Kleiderschrank. Im Gin gehört er zu den beliebtesten floralen Botanicals und sorgt in kleinen Mengen für eine blumige, leicht kräuterige Note, die gut mit Wacholder und Zitrus harmoniert.
Gleichzeitig ist Lavendel ein Botanical, bei dem die Brennerei genau arbeiten muss. Zu viel davon, und der Gin erinnert eher an Seife als an ein Destillat. Hier erfahrt ihr, was Lavendel ausmacht, wie er schmeckt und wie ihr ihn im Gin Tonic einsetzt.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Botanischer Name | Lavandula angustifolia (Echter Lavendel) |
| Pflanzenteil | getrocknete Blüten |
| Herkunft | westlicher Mittelmeerraum, Anbau vor allem in Südfrankreich |
| Geschmack | blumig, süßlich, kräuterig, leicht herb |
| Rolle im Gin | florale Akzente, sehr sparsam dosiert |

Was ist Lavendel?
Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler, genau wie Rosmarin, Thymian, Salbei und Minze. Der kleine, verholzende Strauch wächst wild an sonnigen, trockenen Hängen im westlichen Mittelmeerraum. Bekannt sind vor allem die Lavendelfelder der Provence, angebaut wird er aber auch in Spanien, Bulgarien und in kleineren Mengen in Deutschland.
Für Gin und Küche ist der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) die erste Wahl. Daneben gibt es den Lavandin, eine Kreuzung, die mehr Ertrag bringt, aber deutlich kampferartiger riecht und vor allem in der Parfum- und Seifenindustrie landet. Geerntet werden die Blütenstände im Hochsommer, kurz bevor sich alle Blüten geöffnet haben. Anschließend werden sie getrocknet und gerebelt.
Wie schmeckt Lavendel?
Der Lavendel Geschmack ist blumig, süßlich und kräuterig, mit einer leicht bitteren, herben Kante im Abgang. Getrocknete Blüten wirken intensiver als frische. Verantwortlich für das typische Aroma sind vor allem Linalool und Linalylacetat. Linalool kennt ihr auch aus Koriandersamen, was erklärt, warum Lavendel und Koriander im Gin so gut zusammenpassen.
Genau hier liegt aber die Tücke: Die gleichen Duftstoffe stecken in vielen Seifen, Waschmitteln und Kosmetika. Ist der Lavendel zu präsent, verbindet das Gehirn den Geschmack sofort mit dem Badezimmer. Viele Gin-Fans beschreiben überdosierte Lavendel-Gins deshalb als seifig oder parfümiert.
Lavendel im Gin
In den meisten Rezepturen ist Lavendel ein Nebendarsteller. Die Blüten werden mazeriert oder im Aromakorb über der Blase destilliert. Weil ihre Aromastoffe leicht flüchtig sind, landen sie früh im Destillat und prägen vor allem den Duft. Im Aromakorb lässt sich die Intensität besser steuern als bei einer langen Mazeration.
Gut eingesetzt, rundet Lavendel die harzigen Noten des Wacholders ab und verbindet sie mit Zitrus, Koriander und anderen Kräutern. Typisch ist er für mediterrane Gins mit Rosmarin, Thymian und Olive sowie für florale New Western Dry Gins. In klassischen London Dry Gins taucht er eher als kleiner Baustein unter vielen auf. Wer einen Lavendel Gin sucht, bei dem die Blüte klar im Vordergrund steht, findet ihn meist bei Craft-Destillerien.
Gins mit Lavendel
- Violet Le Duc Gin: Lavendel mit Thymian, Rosmarin und Koriander als Hommage an die Provence.
- Sabatini Gin: Lavendel, Olivenblätter, Thymian und Salbei aus der Toskana.
- Mister M’s London Dry Gin: Lavendel aus der Provence neben japanischen Kirschblüten.
- Curzola 1298 Gin: Lavendelblüte und Rosenblatt mit Botanicals aus Dalmatien.
- Brooklyn Gin: Lavendel mit Kakaobohnen, Koriander und Veilchenwurzel.
- Schloss Gin: Lavendel mit Bitterorangenschalen und Zitronengras in einer kurzen Rezeptur.
Lavendel im Gin Tonic
Als Garnitur reicht ein kleiner Zweig frischer Lavendel oder eine Prise getrockneter Blüten. Mehr solltet ihr nicht nehmen, sonst kippt der Drink ins Seifige. Am besten passt Lavendel zu floralen oder mediterranen Gins, dazu ein mildes Tonic wie das Fever Tree Mediterranean Tonic Water. Das Seeside Tonic Water enthält selbst Lavendel und bringt die Note ohne Garnitur ins Glas.
Eine Zitronenzeste oder ein Rosmarinzweig ergänzen den Lavendel gut. Tipps zum Kräuterzweig findet ihr bei Rosmarin als Gin Tonic Gewürz, das Grundrezept im Beitrag Gin Tonic.
Häufige Fragen zum Lavendel
Warum schmeckt Lavendel im Gin manchmal nach Seife?
Weil Linalool und Linalylacetat auch in vielen Seifen stecken. Ist die Dosis zu hoch, erkennt die Nase sofort den bekannten Duft aus dem Badezimmer.
Welcher Lavendel eignet sich für Gin?
Der Echte Lavendel. Lavandin riecht stärker nach Kampfer und wirkt im Destillat schnell grob.
Kann man Lavendel aus dem Garten verwenden?
Ja, wenn er ungespritzt ist. Für den Gin Tonic genügt ein frischer Zweig, für eigene Experimente solltet ihr die Blüten vorher trocknen.
Was passt geschmacklich zu Lavendel?
Zitrus, Rosmarin, Thymian, Honig und Beeren. Im Gin ergänzen sich Lavendel und Koriander besonders gut.
Weitere Botanicals
- Salbei: kräuterig und herb, ein Klassiker mediterraner Gins.
- Jasmin: intensiv blumig, eine weitere florale Zutat.
- Koriandersamen: zitrusartig und warm, teilt sich mit Lavendel das Linalool.
Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Kräuter und Blüten. Cheers!

