Pink Gin: Was steckt dahinter und welcher lohnt sich?

Geschrieben von

Ginmaster

Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.

Über 700 Gins verkostet, einen eigenen gebrannt.·seit 2015·LinkedIn·Facebook·Tripadvisor·Google Maps·Homepage

Was ist eigentlich Pink Gin? Wer heute durch den Supermarkt geht, findet ganze Regalreihen voller rosa Flaschen. Liebe Ginnatics, ich habe in den letzten Jahren einige davon verkostet, von 7 Euro bis 37 Euro. Und ich kann euch sagen: Unter dem Namen Pink Gin versteckt sich alles vom ernsthaften Dry Gin bis zum Himbeersirup mit Alkohol.

Lasst uns loslegen und Ordnung in die rosa Welt bringen.

Was ist Pink Gin?

Der Begriff hat zwei Bedeutungen, und die haben ehrlich gesagt wenig miteinander zu tun.

Der historische Pink Gin ist ein Drink und kein Gin. In der britischen Royal Navy mischte man im 19. Jahrhundert Plymouth Gin mit ein paar Spritzern Angostura Bitters. Die Bitters färben den Gin leicht rosa, daher der Name. Das Ganze ist herb, bitter und alles andere als süß.

Der moderne Pink Gin ist das, was heute im Regal steht. Ein Gin, der mit Früchten wie Himbeere, Erdbeere oder Rhabarber aromatisiert und rosa gefärbt ist. Dieser Trend kam in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre aus Großbritannien und ist seitdem aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken.

Woher kommt die Farbe?

Das ist die spannendste Frage, denn hier trennt sich Handwerk von Marketing. Es gibt drei Wege:

  1. Früchte nach der Destillation. Der fertige Gin wird mit Beeren oder Rhabarber angesetzt (Mazeration). Die Früchte geben Farbe und Aroma ab. Das ist der aufwendigste Weg.
  2. Farbstoffe. Günstiger und farbstabiler. Bei Gordon’s Premium Pink stehen zum Beispiel die Farbstoffe E129, E151 und E155 auf dem Etikett.
  3. Nur die Flasche ist pink. Der Hernö Pink Bottle ist ein ganz normaler Dry Gin in einer rosa Flasche. Die Farbe ist hier reine Optik.

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich also. Steht dort ein Farbstoff, wisst ihr, dass die Farbe nicht (nur) aus der Frucht kommt.

Ist Pink Gin überhaupt Gin?

Meistens ja, zumindest rechtlich. Nach der EU-Spirituosenverordnung braucht ein Gin mindestens 37,5 % vol und einen Geschmack, bei dem Wacholder vorherrscht. Viele Pink Gins bewegen sich mit 37,5 bis 40 % vol genau an dieser Grenze.

Beim Wacholder wird es spannender. Bei einigen Pink Gins muss ich ihn wirklich suchen. Der Schwarzwald Pink Gin von Lidl ist so ein Fall: Da schmeckt man den Wacholder nur, wenn man sich sehr viel Mühe gibt. Ob das dann noch Gin ist oder schon Himbeerlimonade mit Umdrehungen, müsst ihr selbst entscheiden.

Ein Pink Gin kann übrigens nie ein London Gin sein. London Gin darf nach der Destillation weder gefärbt noch nennenswert gesüßt werden. Wenn euch also ein „London Dry Pink Gin“ begegnet, lohnt ein zweiter Blick aufs Etikett.

Und wenn der Alkoholgehalt unter 37,5 % vol liegt? Dann ist es kein Gin mehr, sondern ein Gin-Likör. Den erkennt ihr meist an der Süße und an Angaben wie 20 oder 25 % vol. Wie sich das beim Schlehen-Klassiker verhält, habe ich im Beitrag zum Sloe Gin erklärt.

Pink Gins, die ich getestet habe

Alle Gins habe ich wie immer pur verkostet, ohne Eis, ohne Tonic Water und ohne Botanicals. Die Preise stammen aus dem jeweiligen Testzeitpunkt und können heute anders aussehen.

Crown Yard Pink Gin (Rewe)

8,99 Euro für 0,5 Liter, 40 % vol, abgefüllt von Bimmerle. In der Nase kräftig beerig, Himbeere und Erdbeere. Am Gaumen geht es genauso weiter, Wacholder und Zitrus kommen erst im Abgang. Sehr süß, fast sirupartig. Wer süße Drinks mag, wird ihn lieben, wer klassischen London Dry Gin bevorzugt, wird ihn hassen. Zum Testbericht

Schwarzwald Pink Gin (Lidl)

Rund 7 Euro für 0,5 Liter, 43 % vol, ebenfalls von Bimmerle. Viel Süße, viel Himbeere, und der Wacholder versteckt sich fast komplett. Für mich hat er geschmacklich kaum noch etwas mit Gin zu tun. Zum Testbericht

Mermaid Pink Gin

37,50 Euro für 0,7 Liter, 38 % vol, von der Isle of Wight Distillery. Englische Erdbeeren, dazu Holunderblüte und Meerfenchel. Erdbeere in der Nase, fruchtig-cremig am Gaumen, Kräuter im Abgang. Nicht künstlich, nicht zu süß, schön ausbalanciert. Einer der wenigen Pink Gins, die ich auch Gin-Puristen empfehlen würde. Zum Testbericht

Hoxton Pink Gin

29,90 Euro für 0,7 Liter, 40 % vol, aus England. Die Botanical-Liste mit Gunpowder-Tee und Hagebutte hat mich zuerst skeptisch gemacht. Am Ende war ich positiv überrascht: Bergamotte, Rose und Tee passen gut zusammen, und er ist weniger süß, als die Nase vermuten lässt. Kein klassischer Gin, aber ein schlüssiges Gesamtbild. Zum Testbericht

1689 Pink Gin

34,95 Euro für 0,7 Liter, 38,5 % vol, aus den Niederlanden. Orange, Himbeere und Erdbeere in der Nase. Am Gaumen nicht so süß, wie ich es von vielen Pink Gins kenne, ein klassischer Gin-Charakter bleibt erhalten. Für Fruchtfans gut, Traditionalisten sollten die Finger davon lassen. Zum Testbericht

Harahorn Pink Gin

Rund 22 Euro für 0,5 Liter, 38 % vol, aus Norwegen. Himbeere, Blaubeere und Rhabarber, fein abgestimmt in der Nase. Die Frucht wirkt natürlich und nicht überzuckert. Der Übergang zum Abgang ist mir pur allerdings etwas zu kantig. Im Pink Gin Tonic spielt er seine Stärken aus. Zum Testbericht

Hernö Pink Bottle Bio Gin

32,90 Euro für 0,5 Liter, 42 % vol, aus Schweden. Hier ist nur die Flasche pink. Im Glas steckt ein komplexer, vollmundiger Dry Gin mit Wacholder und Zitrus im Fokus. Ein Gin, der überrascht und überzeugt, und für einen richtig guten Gin Tonic gemacht. Zum Testbericht

Mein Zwischenfazit: Je günstiger der Pink Gin, desto süßer und desto weniger Wacholder. Die teureren Vertreter arbeiten mit echten Früchten und lassen dem Gin noch Platz. Das ist keine Regel ohne Ausnahme, aber eine ziemlich zuverlässige Tendenz.

Pink Gin vom Discounter

Fast jeder Discounter hat inzwischen eine Pink-Variante seiner Eigenmarke. Hier der Überblick aus meiner letzten Sortimentsrecherche. Die Preise sind Näherungswerte.

Pink Gin Händler Größe Alkohol Preis ca. Getestet
Johnsen Pink Gin Aldi Süd 0,7 l 37,5 % 6,49 € noch nicht
Castelgy Pink Gin Lidl 0,7 l 37,5 % 6,99 € noch nicht
Hampstead Pink Gin Lidl 0,7 l 40 % 7,99 € noch nicht
Schwarzwald Pink Gin Lidl 0,5 l 43 % ca. 7 bis 10 € ja
Orson’s Pink Gin Penny 0,5 l k. A. ca. 7 € Verzeichnis
Crown Yard Pink Gin Rewe 0,5 l 40 % 8,99 € ja
Gordon’s Premium Pink Netto und viele andere 0,7 l 37,5 % 9,99 bis 13,99 € noch nicht

Die fehlenden Tests hole ich nach und verlinke sie hier. Welcher Pink Gin gerade reduziert ist, seht ihr in meiner Übersicht Gin im Angebot.

Welches Tonic passt zu Pink Gin?

Weil die meisten Pink Gins schon viel Frucht und Süße mitbringen, würde ich kein zusätzlich gesüßtes Beeren-Tonic nehmen. Das wird schnell klebrig. Besser funktionieren:

  • Ein klassisches Indian Tonic. Die Bitterkeit des Chinins holt die süßen Pink Gins zurück in die Balance.
  • Ein Grapefruit-Tonic. Die herbe Zitrusnote passt hervorragend zu Himbeere und Erdbeere.
  • Ein leichtes, trockenes Tonic. Für die feineren Pink Gins wie Mermaid oder Hernö, damit die Botanicals nicht untergehen.

Welche Tonics ich generell empfehlen kann, steht in meinen Top 10 Tonic Water.

Pink Gin Tonic Rezept

Zutaten:

  • 50 ml Pink Gin
  • 150 ml Tonic Water (Indian oder Grapefruit)
  • viel Eis
  • 3 frische Himbeeren oder 2 halbierte Erdbeeren
  • optional ein Zweig Minze oder eine Scheibe Grapefruit

So geht’s:

  1. Ein Copa-Glas oder großes Weinglas randvoll mit Eis füllen und kurz kalt werden lassen.
  2. Den Pink Gin über das Eis gießen.
  3. Tonic langsam am Barlöffel entlang dazugeben (so bleibt mehr Kohlensäure im Glas).
  4. Beeren und Minze dazu, einmal vorsichtig umrühren.

Bei sehr süßen Pink Gins nehme ich gerne etwas mehr Tonic, 1:4 statt 1:3. Mehr zum Verhältnis lest ihr im Beitrag das perfekte Mischverhältnis für einen Gin Tonic. Und welches Glas sich eignet, steht im Beitrag die passenden Gläser für deinen Gin-Cocktail.

Den historischen Pink Gin selbst mixen

Wer wissen will, wie Pink Gin ursprünglich geschmeckt hat, braucht nur zwei Zutaten:

  • 50 ml Plymouth Gin oder ein kräftiger London Dry Gin
  • 3 bis 4 Spritzer Angostura Bitters

Die Bitters in ein gekühltes Glas geben und schwenken, bis die Innenseite benetzt ist. Den Rest je nach Geschmack ausgießen oder drin lassen. Gin dazu, fertig. Klassisch ohne Eis, wer mag, rührt den Gin vorher mit Eis kalt. Zugegeben, das ist nichts für jeden. Aber es zeigt ziemlich gut, woher der Name kommt.

Häufige Fragen zu Pink Gin

Ist Pink Gin süß?

Die meisten modernen Pink Gins sind deutlich süßer als ein Dry Gin. Es gibt aber Ausnahmen wie Mermaid oder Hoxton, die weniger süß sind, als man erwartet. Der Hernö Pink Bottle ist sogar ein komplett trockener Gin.

Wie viel Alkohol hat Pink Gin?

Als Gin mindestens 37,5 % vol, die meisten liegen zwischen 37,5 und 43 % vol. Liegt der Wert darunter, handelt es sich um einen Gin-Likör.

Woraus besteht Pink Gin?

Aus einem Gin mit Wacholder als Basis, der zusätzlich mit roten Früchten wie Himbeere, Erdbeere, Johannisbeere oder Rhabarber aromatisiert wird. Die Farbe kommt aus den Früchten oder aus Farbstoffen.

Was ist der Unterschied zwischen Pink Gin und Sloe Gin?

Sloe Gin wird mit Schlehen angesetzt und ist meist ein Likör mit weniger Alkohol und mehr Zucker. Pink Gin ist in der Regel ein vollwertiger Gin mit Fruchtaroma.

Wie lange hält Pink Gin nach dem Öffnen?

Wie jeder Gin sehr lange, allerdings können Farbe und Fruchtaroma mit der Zeit nachlassen, besonders bei Licht. Mehr dazu im Beitrag Kann Gin ablaufen oder schlecht werden?

Cheers!

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