Fragezeichen aus Zitronenzeste neben einem Gin-Drink auf einem Holztisch

Wann wurde Gin erfunden?

Wann wurde Gin erfunden? Ein genaues Datum gibt es nicht. Gin hat sich aus dem niederländischen Genever entwickelt, der im 16. und 17. Jahrhundert entstand. Dessen Wurzeln liegen in mittelalterlichen Wacholderbränden, die damals als Arznei galten. Nach England kam das Getränk spätestens mit Wilhelm von Oranien, der 1689 englischer König wurde.

Weiter unten geht es um die Vorgeschichte der Destillation, den Genever, die bekannte Geschichte um Franciscus Sylvius und die Frage, wie aus Genever der englische Gin wurde. Was danach passierte, vom Gin Craze bis zum Boom heute, steht in der Antwort Seit wann gibt es Gin?.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gin hat keinen einzelnen Erfinder, er entstand über Jahrhunderte.
  • Wacholderbrände gab es in Europa schon im Mittelalter.
  • Als direkter Vorläufer gilt der Genever aus den Niederlanden, belegt ab dem 16. Jahrhundert.
  • Dass Franciscus Sylvius den Genever erfunden hat, ist eine Legende.
  • Mit Wilhelm von Oranien und einem englischen Gesetz von 1690 begann der Aufstieg in England.

Die Vorgeschichte: Wacholder und Destillation im Mittelalter

Die Kunst des Destillierens kam über die arabische Welt nach Europa. Ab dem 11. und 12. Jahrhundert destillierten Gelehrte in Italien, etwa im Umfeld der Medizinschule von Salerno, Wein zu „aqua vitae“, dem Lebenswasser. Gedacht war das Destillat nicht als Genussmittel, sondern als Grundlage für Arzneien.

Wacholder war dabei eine beliebte Zutat. Die Beere galt über Jahrhunderte als Heilmittel, unter anderem zu Zeiten der Pest. Wirksam war das aus heutiger Sicht nicht, die Pest ließ sich damit weder verhindern noch behandeln. Klöster und Apotheker setzten Wacholder in Wein oder Branntwein an. Solche Wacholderbrände sind die frühesten Verwandten des Gins, schmeckten aber vermutlich rau und hatten mit heutigem Gin wenig gemeinsam.

Genever: Die Niederlande im 16. und 17. Jahrhundert

In den Niederlanden wurde aus der Arznei nach und nach ein Getränk. Als einer der frühesten schriftlichen Belege gilt ein Destillierbuch von Philippus Hermanni aus dem Jahr 1552, das eine Anleitung für ein Wacholderdestillat enthält. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden erste gewerbliche Brennereien. Das Haus Bols gibt als Gründungsjahr 1575 an.

Die Basis war ein malziger Getreidebrand, der sogenannte Moutwijn. Die Brennmethoden waren noch grob, der Brand schmeckte kräftig. Wacholder und weitere Gewürze machten ihn trinkbarer. Der Name leitet sich vom niederländischen Wort für Wacholder ab, „jenever“. Im 17. Jahrhundert wurde Genever zum Exportartikel, befördert durch die niederländischen Handelsflotten.

Bis heute ist Genever eine eigene Kategorie. Er muss laut EU-Spirituosenverordnung mindestens 30 % vol haben und schmeckt deutlich malziger als Gin.

Die Sylvius-Legende

In vielen Texten steht, der Arzt Franciscus Sylvius habe den Genever erfunden. Sylvius, eigentlich Franz de le Boë, lebte von 1614 bis 1672. Er praktizierte in Amsterdam und lehrte später Medizin in Leiden. Angeblich mischte er Wacholder in Alkohol, um ein Mittel gegen Nierenleiden zu schaffen.

Die Geschichte hält einer Prüfung nicht stand. Das Destillierbuch von 1552 und die ersten Brennereien stammen aus einer Zeit, bevor Sylvius überhaupt geboren war. Sylvius kann den Genever also nicht erfunden haben. Die Legende hat sich trotzdem gehalten, auch weil sie eine griffige Erfinderfigur liefert.

Dutch Courage und der Weg nach England

Engländer lernten Genever vermutlich zuerst als Soldaten kennen. Während der Kriege auf dem Kontinent im späten 16. und im 17. Jahrhundert kämpften englische Truppen an der Seite der Niederländer. Sie sollen vor der Schlacht Genever getrunken haben. Darauf wird die Redewendung „Dutch Courage“ zurückgeführt, der Mut aus der Flasche.

Den Durchbruch brachte die Politik. 1688 wurde der katholische König Jakob II. gestürzt, 1689 bestieg Wilhelm von Oranien als Wilhelm III. den englischen Thron. Er stammte aus den Niederlanden und brachte deren Trinkgewohnheiten mit an den Hof. Wichtiger war ein englisches Gesetz von 1690, das das Brennen aus heimischem Getreide förderte. Französischer Brandy war wegen des Krieges mit Frankreich unerwünscht. Plötzlich durfte fast jeder Branntwein herstellen. Aus „Genever“ wurde im englischen Sprachgebrauch „Geneva“ und schließlich die Kurzform „Gin“.

BehauptungEinordnung
Sylvius erfand den GeneverLegende, frühere Belege existieren
Wacholderdestillat 1552 bei Hermannigilt als einer der frühesten schriftlichen Belege
„Dutch Courage“ stammt aus den Kriegen in den Niederlandenverbreitete Herleitung, nicht sicher belegt
Wilhelm III. brachte Gin nach Englandvereinfacht, Genever war schon bekannt, er förderte den Aufstieg
Ein niederländischer Erlass von 1690 regelte Ginfalsch, das Gesetz von 1690 war englisch

Häufige Fragen zur Erfindung von Gin

Wer hat den Gin erfunden?

Niemand allein. Gin ist über Generationen aus Wacholderbränden und Genever entstanden, einen einzelnen Erfinder gibt es nicht.

Kommt Gin aus England oder aus den Niederlanden?

Der Ursprung liegt in den Niederlanden, der heutige Stil in England. Der London Dry Gin, wie ihn die meisten kennen, entstand erst im 19. Jahrhundert.

Woher kommt das Wort Gin?

Vom niederländischen „jenever“ für Wacholder. Die Engländer machten daraus „Geneva“ und kürzten es zu „Gin“.

Ist Genever dasselbe wie Gin?

Nein. Genever ist malziger, darf schwächer sein (mindestens 30 % vol) und ist rechtlich eine eigene Kategorie.

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