Fragezeichen aus Zitronenzeste neben einem Gin-Drink auf einem Holztisch

Seit wann gibt es Gin?

Seit wann gibt es Gin? Unter diesem Namen seit dem frühen 18. Jahrhundert in England. Sein Vorläufer, der niederländische Genever, ist älter und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Den heute typischen London Dry Gin gibt es erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, möglich gemacht durch eine neue Brenntechnik, die Column Still.

Weiter unten folgt die Zeitleiste von 1689 bis heute, dazu die wichtigsten Stationen im Detail: der Gin Craze in London, der Wandel zum London Dry, Gin Tonic und Cocktails, der Einbruch nach 1970 und der Boom der letzten Jahre. Wie es zur Erfindung kam, erklärt die Antwort Wann wurde Gin erfunden?.

Das Wichtigste in Kürze

  • Den Namen „Gin“ gibt es in England seit dem frühen 18. Jahrhundert.
  • Von etwa 1720 bis 1751 erlebte London den Gin Craze, der mit dem Gin Act 1751 endete.
  • Die Column Still von Aeneas Coffey (1830) ebnete den Weg für den London Dry Gin.
  • Nach 1970 verlor Gin gegen Wodka deutlich an Beliebtheit.
  • Seit etwa 2010 boomt Gin wieder, in Deutschland eng verbunden mit Monkey 47.

Die Zeitleiste: Gin von 1689 bis heute

ZeitEreignis
16. und 17. Jh.Genever entsteht in den Niederlanden und wird exportiert
1689 bis 1690Wilhelm III. wird König, ein englisches Gesetz fördert das Brennen aus heimischem Getreide
ca. 1720 bis 1751Gin Craze in London, billiger Gin wird zum Massengetränk
1736Gin Act mit hoher Steuer, scheitert am Schwarzmarkt
1751Gin Act 1751 und Hogarths Stich „Gin Lane“, der Craze ebbt ab
1769Alexander Gordon gründet seine Destillerie in London
1830Aeneas Coffey patentiert die Column Still
ab ca. 1850der ungesüßte London Dry Gin verdrängt den süßen Old Tom Gin
19. Jh.Gin Tonic entsteht in Britisch-Indien
ca. 1860 bis 1930Cocktail-Ära mit Martini, Gin Fizz und Tom Collins
1920 bis 1933Prohibition in den USA, „Bathtub Gin“ aus illegaler Produktion
ab ca. 1970Wodka überholt Gin, der Absatz sinkt
1987 und 1999Bombay Sapphire und Hendrick’s kommen auf den Markt
2010Monkey 47 aus dem Schwarzwald erscheint
ab ca. 2010Gin-Boom mit Hunderten neuen Marken, auch in Deutschland
2019EU-Spirituosenverordnung 2019/787 regelt Gin-Kategorien neu (gilt seit 2021)

Gin Craze: Als London im Gin versank

Nach dem Gesetz von 1690 durfte in England fast jeder Branntwein brennen. Getreide war billig, Steuern niedrig. Das Ergebnis war ein oft schlecht gebrannter Gin, der Berichten zufolge sogar mit Terpentin gestreckt wurde. In den Armenvierteln Londons wurde er zum billigsten Rauschmittel. Zeitgenossen schätzten, dass es in manchen Stadtteilen an jeder vierten Tür Gin zu kaufen gab.

Der Staat versuchte gegenzusteuern. Der Gin Act von 1736 setzte eine extrem hohe Lizenzgebühr fest, wurde aber massenhaft umgangen. Erst der Gin Act von 1751 wirkte: Verkaufen durften nur noch lizenzierte Händler, Brennereien durften nicht mehr direkt an Endkunden verkaufen. Im selben Jahr erschien William Hogarths Stich „Gin Lane“, das bekannteste Bild dieser Zeit.

Vom Old Tom zum London Dry: Die Column Still

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war Gin meist süß. Der Zucker kaschierte den rauen Alkohol, dieser Stil heißt heute Old Tom Gin. Den Wandel brachte die Technik: 1830 patentierte Aeneas Coffey eine kontinuierlich arbeitende Destillationskolonne, die Column Still. Mit ihr ließ sich sehr reiner Neutralalkohol herstellen.

Mit sauberem Alkohol war der Zucker überflüssig. Es entstand der trockene London Dry Gin, der ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Standard wurde. „London“ bezeichnet dabei eine Herstellungsweise, keinen Herkunftsort. Nach heutiger EU-Verordnung darf ein London Dry Gin nur destillierte Aromen aus natürlichen Zutaten und höchstens 0,1 g Zucker pro Liter enthalten.

Gin Tonic, Cocktails und der lange Einbruch

Im 19. Jahrhundert tranken britische Kolonialbeamte und Soldaten in Indien Chinin, das damals gegen Malaria eingesetzt wurde. Mit Zucker, Wasser und Gin wurde das bittere Pulver erträglicher. Daraus entwickelte sich der Gin Tonic. Heutiges Tonic Water enthält nur sehr wenig Chinin und hat keine Schutzwirkung.

Ab etwa 1860 wurde Gin zur wichtigsten Spirituose in der Bar. Martini, Gin Fizz, Tom Collins und später der Negroni machten ihn zum Cocktail-Klassiker. Selbst die Prohibition in den USA konnte daran wenig ändern, illegal gebrannter „Bathtub Gin“ ließ sich schnell herstellen.

Ab den 1970er-Jahren drehte sich der Wind. Wodka galt als modern, Gin als Getränk der älteren Generation. Viele Destillerien schlossen oder wurden übernommen, die Auswahl schrumpfte auf wenige große Marken.

Der Gin-Boom seit etwa 2010

Die Wende kam in mehreren Schritten. Bombay Sapphire (1987) und Hendrick’s (1999) zeigten, dass Gin mit neuen Botanicals und Design junge Leute ansprechen kann. 2009 bekam Sipsmith in London eine Lizenz für eine kleine Kupferbrennblase, was die Craft-Welle in England anstieß.

In Deutschland gilt Monkey 47 aus dem Schwarzwald, erschienen 2010, als Startpunkt des Booms. 2016 übernahm Pernod Ricard die Mehrheit an der Marke. Heute gibt es in Deutschland Hunderte Gin-Marken, von der Regionalbrennerei bis zum Discounter-Gin. Seit einigen Jahren flacht das Wachstum ab, alkoholfreie Alternativen und Pink Gin sorgen für neue Nischen.

Häufige Fragen zur Geschichte von Gin

Wie alt sind die ältesten Gin-Marken?

Einige reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Greenall’s nennt als Gründungsjahr 1761, Gordon’s 1769. Manche Genever-Häuser in den Niederlanden sind noch älter.

Was war der Gin Craze?

Eine Phase massenhaften Gin-Konsums in London zwischen etwa 1720 und 1751. Erst der Gin Act 1751 beendete sie weitgehend.

Seit wann gibt es Gin in Deutschland?

Wacholderbrände gibt es seit Jahrhunderten, der Gin-Boom begann um 2010. Traditionell verbreitet waren eher Wacholderschnäpse wie der Steinhäger.

Seit wann gibt es Gin Tonic?

Seit dem 19. Jahrhundert. Er entstand bei den Briten in Indien, eine genaue Jahreszahl gibt es nicht.

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