Fragezeichen aus Zitronenzeste neben einem Gin-Drink auf einem Holztisch

Wer hat den Gin Tonic erfunden?

Wer hat Gin Tonic erfunden? Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht, zumindest ist keiner belegt. Der Drink entstand im 19. Jahrhundert unter britischen Offizieren und Kolonialbeamten in Indien. Sie nahmen bitteres Chinin zur Malaria-Vorbeugung und machten es mit Wasser, Zucker, Limette und Gin trinkbarer. Aus dieser Mischung wurde nach und nach der Longdrink, den ihr heute kennt.

Wie genau das ablief, welche Rolle Chinin, Erasmus Bond und Schweppes spielen und welche Legenden sich hartnäckig halten, steht in den folgenden Abschnitten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für den Gin Tonic ist kein Erfinder mit Namen überliefert.
  • Die Wurzeln liegen bei britischen Offizieren in Indien im 19. Jahrhundert.
  • Chinin aus der Rinde des Chinarindenbaums galt damals als wichtigstes Mittel gegen Malaria.
  • Erasmus Bond ließ sich 1858 in London ein Tonic-Getränk patentieren.
  • Schweppes Indian Tonic Water gilt als eines der ersten Tonics, die im großen Stil verkauft wurden (um 1870).

Warum es keinen einzelnen Erfinder gibt

Viele Cocktails haben eine Person, der sie zugeschrieben werden. Beim Gin Tonic fehlt so ein Name. Das hat einen einfachen Grund: Der Drink wurde nicht in einer Bar erfunden, sondern ist aus einer Alltagsgewohnheit gewachsen. Tausende Briten in Indien bekamen Chinin, viele mischten es auf ähnliche Weise. Irgendwann stand Gin mit im Glas.

Es gibt keine Urkunde, kein Rezeptbuch und kein Barprotokoll, das einen ersten Gin Tonic festhält. Wer im Netz einen konkreten Offizier, ein bestimmtes Regiment oder ein genaues Jahr als „Geburtsstunde“ liest, hat es mit einer Legende zu tun. Belegt ist das Umfeld: Britisch-Indien, Chinin, Gin als gängige Spirituose der Briten und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kohlensäurehaltiges Tonic Water.

Chinin und Malaria: der historische Hintergrund

Malaria war im 19. Jahrhundert eine der größten Gefahren für Europäer in den Tropen. Das wirksamste Mittel damals war Chinin. Es stammt aus der Rinde des Chinarindenbaums, der ursprünglich in den Anden Südamerikas wächst. Die Rinde wurde schon im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht.

1820 gelang den französischen Apothekern Pierre Joseph Pelletier und Joseph Bienaimé Caventou die Isolierung des Wirkstoffs. Damit ließ sich Chinin genauer dosieren. Die britische Verwaltung in Indien gab es in großen Mengen aus, an Soldaten, Beamte und deren Familien.

Das Problem: Chinin schmeckt extrem bitter. Also wurde das Pulver mit Wasser, Zucker und Limettensaft verdünnt. Dass dazu gern Gin kam, liegt nahe. Gin war die Spirituose, die viele Briten ohnehin tranken, und die tägliche Ration Alkohol gehörte damals zum Alltag vieler Soldaten.

Wichtig für heute: Das ist Geschichte, kein Gesundheitstipp. Modernes Tonic Water enthält nur sehr wenig Chinin, viel zu wenig für irgendeine Wirkung gegen Malaria. Wer in ein Malariagebiet reist, braucht ärztliche Beratung und echte Prophylaxe. Mehr zu diesem Mythos steht im Beitrag Gin Tonic gegen Mücken und Malaria. Das hier ist kein medizinischer Rat.

Vom Chininwasser zum Indian Tonic Water

Der Schritt vom selbst angerührten Chininwasser zum fertigen Getränk kam Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Londoner Erasmus Bond ließ sich 1858 ein kohlensäurehaltiges Tonic-Getränk patentieren. Es gilt als eines der frühesten kommerziellen Tonics.

Den großen Durchbruch brachte die Firma Schweppes. Ihr Gründer Jacob Schweppe stammte aus Hessen, arbeitete in Genf und gründete dort Ende des 18. Jahrhunderts sein Geschäft mit Sodawasser, das später nach London zog. Schweppes Indian Tonic Water kam um 1870 auf den Markt und gilt als das Tonic, das den Begriff „Indian Tonic Water“ bekannt machte. Der Name verweist direkt auf die Kunden in Britisch-Indien.

Mit fertigem Tonic in der Flasche war das Rezept plötzlich einfach: Gin, Tonic, Eis, Limette. Die Briten brachten die Gewohnheit mit nach Hause, und von dort verbreitete sich der Drink weltweit.

ZeitEreignis
17. JahrhundertChinarinde gelangt aus Südamerika nach Europa
1820Pelletier und Caventou isolieren Chinin
Mitte 19. JahrhundertChinin wird in Britisch-Indien in großen Mengen ausgegeben
1858Erasmus Bond patentiert ein Tonic-Getränk
um 1870Schweppes Indian Tonic Water kommt auf den Markt

Legenden, die sich hartnäckig halten

Rund um den Gin Tonic kursieren einige Geschichten, die so nicht stimmen oder nicht belegt sind:

  • Gin wurde von Franciscus Sylvius erfunden: Der Leidener Arzt aus dem 17. Jahrhundert wird oft genannt. Wacholderbranntwein ist aber älter, die Geschichte gilt heute als Legende. Hintergründe stehen unter Wann wurde Gin erfunden?
  • Der Gin Tonic war das Lieblingsgetränk der Queen Mum: Ihr wird eher eine Vorliebe für Gin mit Dubonnet zugeschrieben.
  • Tonic Water schützt vor Malaria: Stimmt nicht, siehe oben.

Häufige Fragen zur Gin Tonic Geschichte

Seit wann gibt es Gin Tonic?

Etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein genaues Jahr ist nicht belegt. Fertiges Tonic Water gab es ab 1858, breit verfügbar wurde es um 1870.

Warum heißt es Indian Tonic Water?

Weil die ersten großen Abnehmer Briten in Indien waren. Das chininhaltige Getränk wurde für diesen Markt beworben, der Name ist geblieben.

Wie viel Chinin ist heute im Tonic Water?

Nur eine sehr geringe Menge, die für den bitteren Geschmack sorgt. Für eine Wirkung reicht das nicht. Wer mehr über Zutaten und Sorten wissen will, findet es unter Was ist Tonic Water?

Ist der Gin Tonic ein Cocktail?

Streng genommen ist er ein Longdrink. Die Details gibt es in der Antwort Ist ein Gin Tonic ein Cocktail?

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Weitere Fragen und Antworten rund um Gin findet ihr unter Antworten. Cheers!