Geschrieben von Maximilian Mende Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
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Die Kirschblüte ist in Japan weit mehr als eine Blume. Unter dem Namen Sakura steht sie für den Frühling und für das Fest Hanami, bei dem Menschen unter blühenden Bäumen zusammenkommen. Kein Wunder also, dass die zarte Blüte auch in vielen japanischen Gins als Botanical auftaucht.
Destilliert wird mit Kirschblüten allerdings längst auch außerhalb Japans, etwa in Deutschland mit Blüten heimischer Kirschbäume. Hier erfahrt ihr, was die Kirschblüte ausmacht, wie sie schmeckt, welche Gins sie verwenden und welches Tonic dazu passt.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Botanischer Name | Prunus serrulata und weitere Arten der Gattung Prunus |
| Pflanzenteil | Blüten, teils auch Blätter, frisch, getrocknet oder gesalzen |
| Herkunft | Japan, China und Korea, Kirschbäume auch in Europa |
| Geschmack | zart blumig, leicht süßlich, mandelartig |
| Rolle im Gin | florale Kopfnote, typisch für japanische Gins |

Was ist Sakura?
Sakura ist das japanische Wort für Kirschblüte und steht für die Blüten der japanischen Zierkirschen. Botanisch gehören sie zur Gattung Prunus, zu der auch Süßkirsche, Pflaume und Mandel zählen. Es gibt Hunderte Sorten, die bekannteste in Japan ist die Somei-Yoshino mit ihren blassrosa Blüten. Anders als bei der Süßkirsche geht es bei Zierkirschen um die Blüte, nicht um die Frucht.
In der japanischen Küche werden Kirschblüten und junge Blätter häufig in Salz und Pflaumenessig eingelegt. Die gesalzenen Blüten landen in Tee, Reis oder Süßigkeiten, die Blätter umhüllen das Frühlingsgebäck Sakura Mochi. Für Gin werden Blüten und Blätter meist getrocknet verarbeitet. Die Blütezeit ist kurz, meist nur wenige Wochen im Frühjahr, was die Kirschblüte zu einem begehrten Rohstoff macht.
Wie schmeckt Kirschblüte?
Frische Kirschblüten duften zart, blumig und leicht süßlich. Ihr Aroma ist deutlich feiner als das von Rose oder Jasmin. Viele beschreiben eine leichte Note von Mandel und Marzipan. Mit dem Geschmack reifer Kirschen hat sie dagegen wenig zu tun.
Intensiver wird das Aroma in gesalzenen oder getrockneten Blüten und Blättern. Die typische, an Heu und Vanille erinnernde Note von eingelegten Kirschblättern wird vor allem Cumarin zugeschrieben, das beim Einlegen freigesetzt wird. Cumarin ist in größeren Mengen bedenklich, im Gin kommt Kirschblüte aber ohnehin nur in kleinen Mengen zum Einsatz.
Kirschblüte im Gin
Weil das Aroma der Kirschblüte so fein ist, geht es im Destillat schnell unter. Brennereien setzen die Blüten deshalb oft im Aromakorb oder in einer separaten Destillation ein, um die zarten Duftstoffe zu schützen. Als Kopfnote gibt die Kirschblüte dem Gin einen blumigen Antritt, bevor Wacholder, Zitrus und Gewürze übernehmen.
Besonders typisch ist die Kirschblüte für japanische Gins, in denen sie häufig mit Yuzu, grünem Tee und Sansho-Pfeffer kombiniert wird. Ein Sakura Gin setzt dabei bewusst auf dieses japanische Aromenbild. In Europa gibt es dagegen Kirschblüten Gins, die mit Blüten aus heimischen Obstgärten arbeiten und eher klassisch aufgebaut sind.
Gins mit Kirschblüte
- Roku Gin: Kirschblüten und Kirschblätter neben Yuzu, grünem Tee und japanischem Pfeffer.
- Cherryblossom Gin: Kirschblüten in einem London Dry Gin der Markgräfler Spezialitätenbrennerei aus Baden.
- Jinzu Gin: Kirschblüten-Aroma mit Yuzu und Sake, aus England.
- Mister M’s London Dry Gin: japanische Kirschblüten mit Meerfenchel und Lavendel.
- Little Darling Gin: Kirschblüten zwischen Orange, Apfelminze und Tannenspitzen.
Kirschblüte im Gin Tonic
Für einen Kirschblüten Gin Tonic braucht es keine große Garnitur. Das passende Tonic bringt die Note schon mit: Das Thomas Henry Cherry Blossom Tonic Water ist rosa gefärbt, fruchtig und angenehm bitter. Im Interview mit Thomas Henry wird es als Farbtupfer für den Gin Tonic empfohlen.
Wer die japanische Linie betonen möchte, kombiniert einen Sakura Gin mit einem Yuzu Tonic wie dem Goldberg Japanese Yuzu Tonic. Als Garnitur eignen sich ein bis zwei essbare Blüten aus ungespritztem Anbau oder eine dünne Zitronenzeste. Gesalzene Sakura-Blüten solltet ihr vorher kurz abspülen. Das Grundrezept findet ihr im Beitrag Gin Tonic.
Häufige Fragen zur Kirschblüte
Schmeckt ein Kirschblüten Gin nach Kirsche?
Nein. Die Blüte schmeckt zart blumig und leicht mandelartig, nicht fruchtig wie die reife Kirsche.
Was ist der Unterschied zwischen Sakura Gin und Kirschblüten Gin?
Meist nur die Herkunft der Idee. Sakura Gin steht für japanische Gins mit japanischen Botanicals, Kirschblüten Gin ist der allgemeinere Begriff.
Kann man Kirschblüten aus dem Garten verwenden?
Nur wenn die Bäume ungespritzt sind. Als Garnitur reichen wenige Blüten, sie halten sich frisch nur kurz.
Welches Tonic passt zur Kirschblüte?
Ein Cherry Blossom oder Yuzu Tonic. Beide greifen das japanische Aromenbild auf.
Weitere Botanicals
- Yuzu: die japanische Zitrusfrucht, oft Partner der Kirschblüte.
- Jasmin: intensiv blumig, eine kräftigere florale Note.
- Lavendel: blumig und kräuterig, ein Klassiker unter den Blüten.
Alle Botanicals aus dieser Gruppe findet ihr in der Kategorie Kräuter und Blüten. Cheers!

