Geschrieben von Maximilian Mende Ginmaster
Seit 2015 schreibe ich hier über Gin, inzwischen über 700 verkostete Sorten. Nebenbei brenne ich meinen eigenen London Dry Gin, und seitdem weiß ich ziemlich genau, wie viel Arbeit in einer guten Flasche steckt. Das merkt ihr meinen Testberichten an, im Guten wie im Schlechten.
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Die Walnuss ist im Gin ein seltener Gast. Während Koriander oder Angelikawurzel in fast jeder Rezeptur stecken, taucht die Walnuss vor allem in deutschen und regionalen Gins auf, deren Brenner mit heimischen Zutaten arbeiten.
Für Gin interessant ist sie, weil sie mehr kann als nussig schmecken. Je nachdem, ob Kerne, grüne Schalen oder Blätter verwendet werden, bringt sie herbe, holzige oder würzige Noten ins Destillat. Hier erfahrt ihr, was die Walnuss im Gin leistet und in welchen Gins sie steckt.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Botanischer Name | Juglans regia |
| Pflanzenteil | Kerne, grüne Schalen, Blätter |
| Herkunft | Vorder- und Zentralasien, in Mitteleuropa seit der Antike kultiviert |
| Geschmack | nussig, leicht bitter, holzig |
| Rolle im Gin | seltenes Botanical für Tiefe und Herbe |
Was ist die Walnuss?
Der Walnussbaum gehört zur Familie der Walnussgewächse und kann 20 bis 30 Meter hoch und sehr alt werden. Seine Heimat liegt in Vorder- und Zentralasien. Nach Mitteleuropa kam er vermutlich mit den Römern, heute wächst er in Deutschland in vielen Gärten, an Feldrändern und in Obstlagen.
Die Nüsse reifen im Frühherbst und fallen aus ihrer grünen Hülle. Für Spirituosen werden auch unreife, grüne Walnüsse geerntet, traditionell um Ende Juni, wenn sich die Nuss noch schneiden lässt. Aus ihnen entstehen Nusslikör und der italienische Nocino. Die Blätter werden im Sommer gesammelt und getrocknet.
Wie schmeckt die Walnuss?
Der Kern schmeckt nussig, mild und leicht süßlich. Die dünne braune Haut um den Kern enthält Gerbstoffe, die für eine typische Bitterkeit sorgen. Getrocknete oder geröstete Kerne wirken runder und erinnern an Holz und Karamell.
Grüne Walnüsse und ihre Schalen schmecken deutlich herber und würziger, fast harzig. Die Blätter bringen eine grüne, leicht kräuterige Würze. Welcher Pflanzenteil in einem Gin steckt, verraten die Hersteller allerdings selten.
Walnuss im Gin
Im Gin sorgt die Walnuss für Tiefe und einen trockenen, leicht bitteren Abgang. Die Kerne werden meist zerkleinert mazeriert, damit sich die Aromastoffe im Alkohol lösen. Das Fett der Nuss bleibt bei der Destillation größtenteils in der Blase zurück, die flüchtigen Aromen gehen ins Destillat über.
Die herbe Note passt gut zum harzigen Wacholder und rundet würzige Botanicals wie Kardamom, Ingwer oder Salbei ab. Walnuss findet sich daher eher in kräuterbetonten Dry Gins als in fruchtigen oder blumigen Sorten. Häufig kommt sie aus Brennereien, die ohnehin Walnussgeist oder Nusslikör herstellen und mit dem Rohstoff bereits Erfahrung haben.
Gins mit Walnuss
Unter den Ginnatic-Testberichten gibt es nur wenige Gins, bei denen Walnuss ausdrücklich als Botanical genannt wird:
- Thommes 506 London Dry Gin: Walnüsse neben Salbei, Nana-Minze, Kardamom und Ingwer, im Abgang nussig und leicht bitter.
- Gin ZWEIUNDVIERZIG Klar: 42 Botanicals, darunter Walnuss, Thymian, Apfel und Blutwurz.
- Kimerud Wild Grade Gin: Walnuss mit Orange, Zitrone, Ingwer und Minze, am Gaumen nussig und holzig.

Walnuss im Gin Tonic
Als Garnitur ist die Walnuss ungewöhnlich, funktioniert aber mit dem passenden Gin. Zwei bis drei leicht geröstete Walnusshälften im Glas verstärken die nussigen Noten eines Gins wie des Thommes 506. Ein Streifen Orangenschale bringt Frische dazu.
Als Tonic eignet sich ein mildes, wenig bitteres Tonic Water, damit sich die Herbe der Nuss und das Chinin nicht gegenseitig verstärken. Wie ihr den Longdrink richtig mischt, steht im Beitrag Wie mischt man Gin Tonic?
Häufige Fragen zur Walnuss im Gin
Schmeckt ein Gin mit Walnuss nach Nuss?
Meist nur dezent. Die Walnuss sorgt eher für Tiefe und eine herbe Note im Abgang als für ein deutliches Nussaroma.
Ist Walnuss im Gin für Menschen mit Nussallergie ein Problem?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Bei einer Nussallergie solltet ihr vor dem Genuss beim Hersteller nachfragen, ob und wie die Walnuss verarbeitet wurde.
Was ist der Unterschied zwischen Walnussgeist und Walnuss-Gin?
Beim Gin muss Wacholder das Hauptaroma bilden. Ein Walnussgeist ist dagegen ein Destillat, in dem die Walnuss selbst im Mittelpunkt steht.
Weitere Botanicals
- Haselnuss: rund und süßlich, die mildere Verwandte im Nussregal.
- Macadamia: buttrig und weich, ursprünglich aus Australien.
- Mandelschalen: leicht bitter und trocken, sie geben einem Gin mehr Struktur.
Alle Botanicals findet ihr in der Kategorie Samen und Körner. Cheers!


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